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Handwörterbuch der Philosophie
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Regel gewisse Tendenzen (nach einem „Gute") bekundend und zum Teil von der Vernunft sich leiten lassend. Der Mensch hat Wahlfreiheit, kann für das Entgegengesetzte rein aus dem freien Willen heraus entscheiden, „determiniert" ihn, nötigt ihn zu etwas, auch nicht das Denken. Von manchen wird die absolute Freiheit in einen Zustand der Präexistenz (s. d.)< oder ins überzeitliche Sein gesetzt. Andere betrachten Freiheit und Notwen- digkeit als zwei Betrachtungsweisen, die einander nicht ausschließen oder auch die Notwendigkeit als gebundene, erstarrte Freiheit. Oder es wird die Freiheit auch auf das in früheren Vorgängen nicht schon angelegte Auftreten neuer Phasen des Werdens gesetzt, u. a. m. In der antiken Philosophie wird meist die Wahlfreiheit, die ethische Freiheit des Wollens und Handelns gelehrt, die Möglichkeit, freiwillig, aus sich heraus, selbständig, vernunftgemäß zu handeln. So lehren SOKRATES- (Xenophon, IV, 5), PLATON (Phaedo 81 B; Republ. 617 E), ARIS- TOTELES (Eth. Nicom. III 1, 1110 a; III 3, 1111 a 20 f.; III 4, 1112 a 1; III 1112 b 31; III 7, 1113 b) u. a. So auch die Stoiker, welche trotz ihres meta- physischen Determinismus, dem gemäß in der alles notwendig erfolgt, das „bei uns Stehende" betonen, die Zustimmung (s. des Wollenden im Denken und dem Weltlauf gegenüber, sowie die Affekte zu beherrschen, die besonders den Weisen, Tugendhaften frei, unab- hängig macht (Diogen. Laert. VII, 121; CICERO, De fato 16, 24, 36; Epist. 107). Auch die Epikureer nehmen trotz ihrer streng mechanistischen Weltauffassung eine Willensfreiheit an; schon die Atome (s. d.) weichen ur- sprünglich von der geraden Richtung ihres Falles „ein wenig" ab (Diogen.. Laert. X, LUCREZ, De rerum natura II, 253 ff.). — Nach PLOTIN ist die Seele im Intelligiblen absolut frei, auf Erden aber von den Dingen doch auch hier sittlich frei, wenn sie der Vernunft folgt (Ennead. III, 1, 8 2, 10; 4, 8; 8, 21; vgl. ORIGENES, Contr. VII, KANT, SCHEL- LING u. a.). Den vertreten verschiedene CLEMENS ALEXANDRINUS U. a.), PELAGIUS, Z. Teil auch AUGUSTINUS. absolute W. („posse non peccare") besaß nur Adam vor dem Sündenfalle, jetzt haben die Menschen nur noch die psychologisch-sittliche Freiheit vernünftiger Selbstentscheidung. Der gute Wille ist unser eigener Wille, letzten von Gott (und dessen Gnade) abhängig („Theologischer Determinismus"; libero arbitrio I, 12; III, 3; 25; vgl. über „theol. TH. BRAD- WARDINE, JOHANN VON MIRECOURT, LUTHER, De servo arbitrio, Opera VII,. 1873, c. 17, ZWINGLI, CALVIN, DESCARTES, LESSING, J. EDWARDS, WUNDT u. a.; s. Prädestination). — Die Scholastiker lehren meist indeterministisch, und betonen besonders die Wahlfreiheit gegenüber gleichen wie entgegengesetzten- Motiven („liberum arbitrium indifferentiae"). Der Wille erstrebt, THOMAS, naturgemäß das Gute, hat aber die Neigung zu den dazu seiner Gewalt, ist Herr über das Wollen oder Nichtwollen, wenn er sich vom Intellekt erleuchten, sein Ziel vorhalten läßt („intellectus . .. per modum finis"; Sum. theol. 1, 82, 1 ff.; II I, 109, 2; Contr. gent.. I, 72). — Einen noch ausgesprocheneren Indeterminismus vertritt DUNS SCOTUS.. Der Wille gibt den Motiven seine Zustimmung, ist nur durch sich selbst („ut voluntatis causa sit ipsa voluntas"), kann sich für das Entgegengesetzte scheiden, richtet sich aber auch nach der ohne von ihr determiniert
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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