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Handwörterbuch der Philosophie
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Willensfreiheit. notwendig, prinzipiell vorhersagbar sind. „Alle Handlungen vernünftiger Wesen, sofern sie Erscheinungen sind, stehen unter der Naturnotwendigkeit; eben dieselben Handlungen aber, bloß respektive auf das vernünftige Subjekt und dessen Vermögen, nach bloßer Vernunft zu handeln, sind frei" (Prolego- mena, § Krit. d. rein. S. 428 Krit. d. praktischen Vernunft, Univ.-BibL, S. 118; Grundleg. zur Metaphysik der Sitten, 3. Abschn.; vgl. im Sinne SCHILLER, FRIES U. a., als Gegner ULRICH, Eleutheriologie, 1788). Die Freiheit des Ich als Selbstbestimmung des Willens, als absolut spontanes Handeln und Schaffen betont FICHTE, der zuerst Determinist war (WW. III, 9; IV, VI, 305; System der Sittenlehre, 1798, S. vgl. W. KABITZ, Kantstudien VI, 1901). Nach HEGEL ist die Freiheit das Wesen des Geistes; das ideale Endziel der ist das „Bewußtsein des Geistes von seiner Freiheit und ebendamit die Wirklichkeit seiner Freiheit". Diese Freiheit ist Selbstgesetzlichkeit, schließt die „unendliche Notwendigkeit" ein (vgl. Geschichte, Recht). Der Wille ist, als „natürlicher" Wille, erst nur „an sich" frei und erhebt sich schließlich durch die „Willkür" hindurch zum „an und für sich seienden" Willen, dessen Gegenstand er ist, so daß er an und für sich frei ist als der Wille des Allgemeinen, Objektiven, nicht bloß Subjektiven (Enzyklop. § 469; Grundlinien der Philos. des Rechts, hrsg. von G. Lasson, 1911, § 4 ff.). In ein „Selbstsetzen", „Ur- und wollen" verlegt die metaphysische Freiheit SCHELLING. Die Tat, wodurch das Leben des Menschen in der Zeit bestimmt ist, geht durch die Zeit hindurch als eine der Natur nach „ewige Tat" (Philos. über das Wesen der menschlichen Freiheit, 1856, S. ff.; WW. I 6, 538 ff.; I 7, 385 ff.). Nach SCHOPENHAUER liegt die Freiheit nicht im Handeln, sondern im Sein, dem gemäß das Handeln ist („operari esse"). So wie ein Mensch ist, so handelt er notwendig, dem stärksten Motiv gehorchend. Das Handeln und einzelne Wollen folgt mit psychologischer Notwendigkeit aus dem empirischen Charakter, und dieser ist die Erscheinung des angeborenen, unveränderlichen intelligiblen Charakters (s. d.), das Produkt des zeitlosen und grundlosen Willens, der in ihm sich manifestiert, das Sein des Menschen konstituiert; für diesen seinen Charakter fühlt sich der Mensch auch verantwortlich (Die als Wille u. Vorstellung I. Bd., § 23, 55; Über die Freiheit des menschL Willens V). Ähnlich lehrt BAHNSEN, nach welchem die Motive schon vom abhängen, nur aus- lösend, erregend wirken (Zum Verhältnis zwischen Willen und Motiv, 1869), ferner MAINLÄNDER (Philos. der Erlösung I, 1879, 559); vgl. LAMEZAN, Nord u. Süd, 1880; K. FISCHER, Über das Problem der menschL Freiheit, 1875; GREEN, Prolegomena to Ethics — Nach WINDELBAND ergibt sich die Freiheit aus der Beurteilung der Gegenstände ohne Rücksicht auf eine Ver ursachung (Über W., 1904, S. 197 ff.; Freiheit ist „Bestimmung des empirischen Bewußtseins durch das Normalbewußtsein"; 1907, 306 f.). Ähnlich lehrt P. HENSEL der Ethik, 1903, S. 101 f.), ferner K. LASSWITZ U. a. Als sittliche Autonomie betrachten W. LIEBMANN (Gedanken u. Tatsachen3, 1904, II, 80 ff.), COHEN (Ethik, 1904, S. 270 ff.), NATORP (Archiv f. Philos. S. 47 f.), A. MESSER (Kants Ethik, 1904, S. 403 ff.; Das Problem der W., 1911) u. a. Als Fähigkeit, der den Motiven gegenüber selbständigen Entscheidung und der Einleitung neuer, im Vergangenen nicht begründeter Vorgänge, also als 49*
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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