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Wirken — Wirklichkeit. 773
Wirken ist Hervorbringung einer Veränderung seitens eines Dinges (s.
Kausalität). Das Ich setzt sich selbst unmittelbar als tätig und deutet zunächst
nach diesem Muster das Verhalten der Objekte, betrachtet es als
Ausdruck innerer Wirksamkeit. Die Metaphysik kann, in kritischer Weise,
die Verknüpfung der physischen Vorgänge als Erscheinung einer für
unser Bewußtsein transzendenten „Regsamkeit" deuten, welche mit der unseren
in Wechselbeziehung steht (s. Wechselwirkung, Panpsychismus, Parallelismus,
Leib). Diese Regsamkeit ist zielstrebig, wenigstens in ihrer noch nicht auto-
matisierten Form (s. und so ist vielleicht alle primär
„teleologisch". — Nach REHMKE erfordert jedes Wirken wenigstens zwei
Einzelwesen („Satz des Wirkens", Philos. als Grundwissenschaft, 1910,
S. 245 ff.). - Vgl. SIGWART, Logik I1, 1889/93, 97; II2, 133; 4. A. 1911;
L. DILLES, Weg zur Metaphysik I, 1903 ff., L. W. STERN, Person
Sache I, 1906, 223, 255 ff. („personales" Wirken als „Selbstbestimmung",
teleologische Kausalität); STÖCKL, Lehrbuch der Philos. 1912. Vgl.
Wechselwirkung, Tätigkeit.
Wirklichkeit (actualitas, bedeutet sowohl das als
den Inbegriff des Wirklichen. Vielfach wird W. mit Realität identifiziert.
Doch ist der Begriff der W. ein weiterer. Er bildet den Gegensatz zum
Schein (s. d.) und bedeutet dann das wahrhafte, tatsächliche, mit Recht gesetzte
erfahrungs- oder denknotwendige Sein eines Etwas, mag dieses nun ein Ding
oder eine Eigenschaft, etwas Physisches oder Psychisches sein. Etwas ist
„wirklich" oder so", wenn sein Sein oder nicht der
Meinung nach, in der Phantasie, Einbildung, täuschenden Vorstellung besteht,
sondern als das, als was es gesetzt, gemeint ist. Ob das Wirkliche nur „Er-
scheinung" ist (empirische, phänomenale, immanente W.) oder ein „An
bedeutet (transzendente, absolute W.) ist eine andere Frage. Von der unmittel-
baren, subjektiven W. der Erlebnisse als solcher ist die begrifflich vermittelte,
objektive W. der Dinge zu unterscheiden. Objektiv wirklich ist, was in dem
gesetzlichen Zusammenhang des synthetisch verknüpften Erfahrungsmaterials,
eine Stelle einnimmt, dessen Setzung im Fortgange methodischer
verarbeitung als unaufhebbar und daher als anzuerkennen sich bewährt. Diese
W. ist nicht fertig gegeben, sondern wird, immer genauer und vollständiger,
erst erarbeitet. Auch abgesehen davon ist die Wirklichkeit Inbegriff des
Wirklichen) im beständigen Werden (s. d.); immer neue Momente verwirklichen
sich, werden „wirklich", d. h. nun im Sinne des Übergangs aus der
Möglichkeit (s. d.), Potentialität in die Aktualität, in das „Ausgewirkte" und
selbst nun Wirksame und Wirkungsfähige. An der Schaffung neuer
lichkeiten ist der Wille mitbeteiligt, der überhaupt eine Fähigkeit der Ver-
wirklichung von Möglichkeiten und deren ideellen Antizipationen (Ideen,
Idealen) bedeutet.
Betreffs der verschiedenen Auffassungen der W. im Sinne der Realität,
s. Realität, Idealismus, Realismus, Positivismus, Immanenzphilosophie, Objekt,
Transzendent, usw.
Dem potentiellen (s. d.) wird das Sein (kvegyeia, „actu esse",
„actus") gegenübergestellt von ARISTOTELES, den Scholastikern u. a.
(s. Akt). Die W. gilt oft als „Erfüllung der Möglichkeit"
potentiae"), so besonders (als Existenz) nach CHR. WOLFF (Vernünftige
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften