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Wissenschaft.
ADICKES, W. U. Glauben, 1898; H. SCHNEIDER, Durch Wissen zum Glauben,
BOUTROUX, Science et religion, 1908; 1910; WUNDT, System d. Philos. I8,
1907; JERUSALEM, Einleit. in die Philosophie4, 1909; A. 1913;
Über die Lehre von der zweifachen 1871; J. M. VERWEYEN, Philosophie
und Theologie im Mittelalter, (1. alle Dogmen sind vernünftig zu begreifen:
Eriugena, Abaelard, R. Lullus, R. von Sabunde; 2. nur einige Dogmen;
Anselm, Magnus, Thomas, Duns 3. keine Occam,
spätere Mystiker); A. WHITE, Gesch. d. Fehde zwischen W. u. Theo-
logie, 1911. — VgL Theologie, Gottesbeweise, Monismus (besonders die
Schriften von HAECKEL, OSTWALD U. a.; gegen sie: DENNERT,
u. a., der „Keplerbund").
Wissenschaft scientia) ist systematisiertes Wissen, In-
begriff zusammengehöriger, auf ein bestimmtes Gegenstandsgebiet sich be-
ziehender oder durch den gleichen Gesichtspunkt der Betrachtung
zu systematischer Einheit methodisch verknüpfter, zusammenhängender Er-
kenntnisse. Jede W. enthält außer den positiven Erkenntnissen Theorien
(s. d.) und Hypothesen (s. d.) und verarbeitet ihren Stoff sowohl mittelst der
allgemeinen logischen als auch mit Hilfe spezieller Methoden (s. d.). Die obersten
Voraussetzungen und Ziele, welche jeder W. zugrundeliegen, bilden den
stand philosophischer Untersuchung (s. Erkenntnistheorie, Logik), ebenso die
allgemeinsten Ergebnisse der (s. Philosophie, Metaphysik). Die
Wissenschaften gehen zum Teil auf die Beschreibung, Analyse, kausale und
genetische Erklärung (s. d.) von Tatsachen aus, zum Teil formulieren sie auch
Regeln, Normen (s. d.) für die Verwirklichung bestimmter Ziele, für die
Methode der Praxis (praktische, technische, normative Wissenschaften); solche
Disziplinen gehen z. Teil kritisch, vor, bearbeiten z. Teil das
„Sollen" (s. d.) logisch, setzen aber oberste Normen des Verhaltens voraus
(vgl. Sittlichkeit, Ethik, Recht, Ästhetik, Soziologie). Entstanden sind die
Wissenschaften, die sich zum Teil auch aus dem Mythus und der Philosophie
differenziert haben, meist aus praktischen als Mittel zur besseren
Gestaltung des Lebens. Später wurde aber die Befriedigung des Erkenntnis-
triebes vielfach Selbstzweck, man forscht um des Wissens selbst willen, will
einheitlichen Zusammenhang in das Erfahrungsmaterial bringen, interessiert
sich auch für Dinge, die nicht dem praktischen Leben unmittelbar dienen,
aber doch dem Geistesleben. In beständiger Wechselwirkung mit der Praxis
und den Bedürfnissen des Lebens stehend, oft aus diesen neue Probleme ge-
winnend und dazu bestimmt, als ein eminenter Faktor aktiver Kulturentwick-
lung zu wirken, hat doch die Wissenschaft nicht nur ihren hohen
wert als ein besonderes Kulturgebilde, sondern es sind auch vor allem ihre
Methoden und Voraussetzungen nicht unmittelbar auf praktische Ziele
zu orientieren, sondern dadurch zu legitimieren, daß und inwieweit sie
theoretisch zweckmäßig und wertvoll sind, indem sie wahre Erkenntnis kon-
stituieren und fördern; sie sind durch den reinen Erkenntniswillen
und gelten logisch, nicht weil sie dem Leben, sondern weil sie der geistigen
Beherrschung des Gegebenen dienen (vgl. Pragmatismus,
A priori, Wahrheit). Das Grundverfahren aller Wissenschaft ist Logi-
fizierung ihrer Herstellung rationaler Zusammenhänge von solchen.
Während die formalen (oder Wissenschaften (Mathematik,
sich an die Formen der (reinen) „Anschauung" und des Denkens halten
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften