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778 Wissenschaft.
nnd einen apriorischen Charakter haben, gehen die materialen (oder
realen) Wissenschaften auf immer weiter fortschreitende Synthesen von Daten
zu objektiven, allgemeingültigen Erfahrungszusammenhängen aus, wobei sie
Teil natürlich auch abstrakte Untersuchungen anzustellen haben,
Induktion (s. d.) und Deduktion d.) verbinden müssen. Die realen Wissen-
schaften gliedern sich in Natur- und Geisteswissenschaften, die beide systema-
tisch oder historisch verfahren können. Einen Teil der Geisteswissenschaften
bilden die Kultur- und Wissenschaften. — Soziologisch betrachtet ist die
Produkt des Zusammenwirkens der Menschen, deren Erfahrungen und
Denkleistungen in ihr aufgespeichert und verdichtet sind; sie ist ein Erzeugnis
Gesamtgeistes (L. FEUERBACH, WUNDT, DILTHEY, EUCKEN, RIEHL,
KÜLPE, COHEN, NATORP U. a.; vgl. besonders JERUSALEM, Einleit. in die
Philos., 5. - 6. A. Bedeutung der Individualität).
Die Bedeutung der W. für das Leben, für das Handeln betont der
vismus (s. d.) und der Pragmatismus d.). Sie soll letzterem die
voraussagen, berechnen, die Erscheinungen beherrschen helfen und die
Lebensgestaltung fördern. So auch nach COMTE („savoir pour preVoir"),
MACH, OSTWALD (Abhandlungen III, 285), GOLDSCHEID, JERUSALEM (Einleit.
in Philos.*, 1909, S. 14; A. 1913), J. SCHULTZ, VAIHINGER (Die
Philos. des Als ob, 1911), KLEINPETER (Der Phänomenalismus,
1913; die W. hat, wie nach MACH, Erfahrung, Wissen zu vermitteln, direkte
Erfahrung zu ersparen ; s. Ökonomie, Anpassung), PEARSON U. a.
Positivismus).
Daß die W. nur die Relationen (s. der Dinge erkennt, betonen COMTE,
MACH, POINCARE, der auf das „Konventionelle", das Übereinkommen und
zum Teil Willkürliche in den Axiomen (s. d.) und Theorien (s. d.) der
W. hinweist (Der Wert der W., S. 201 ff.; 2. A. 1910; Wissenschaft und
Hypothese, 1904), LE ROY (Revue de u. a. (vgl.
Positivismus). Nach BERGSON ist der analysierenden, geometri-
sierenden, alles in quantitativ-mechanische Relationen umdenkenden Wissen-
schaft die „Intuition" (s. d.) überlegen (vgl. Verstand); doch muß diese ander-
seits sich die Ergebnisse der verfeinerten wissenschaftlichen Methoden
stützen (vgl. in die Metaphys., 1910).
Klassifikationen der W. sind wiederholt unternommen worden. So schon
im Altertum (s. Philosophie) und Mittelalter DOMINICUS GUNDISSALINUS,
De divisione philosophiae), F. BACON, nach welchem Wissen Macht ist („tan-
possumus, quantum scimus"; Parallelisierung der Wissenschaften mit see-
lischen Funktionen: Geschichte — Poesie — Einbildungskraft,
Philosophie — Verstand; De dignitate et augmentis scientiarum, 1623;
Organum, 1620; Opuscula philos., Werke V, 129 ff.), (ähnlich;
Discours zur 1753), SCHOPENHAUER als
Wille und Vorstellung, II. Bd., K. 12). AMPERE (Essai sur la philos. des
sciences, 1834—43). COMTE gliedert die Wissenschaften nach Stufen abnehmen-
der Abstraktheit und Allgemeinheit und zunehmender Kompliziertheit der
Phänomene; die „Hierarchie" der Wissenschaften („sciences fondamentales") ist:
Mathematik, Astronomie, Physik, Chemie, Biologie, Soziologie; Cours de
los. posit. I, 1 ff. Ähnlich klassifiziert SPENCER, nach welchem W.
vereinheitlichte ist (First Principles, § The of
the Sciences, 1864, 3. ed. 1871; Essays6, 1891); vgl. MASARYK (Versuch einer
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Buch Handwörterbuch der Philosophie"
Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften