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Handwörterbuch der Philosophie
Seite - 785 -
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785 besteht in einem Zusammenhange, kraft dessen ein Inhalt zum andern in bestimmter (eben der zeitlichen) steht, ein Inhalt dem andern seine gibt. Die Z. ist die Form, Ordnungsgesetzlichkeit aller Daten der Er- kenntnis, mögen diese der inneren (unmittelbaren) oder der äußeren Erfahrung angehören. Die Zeitordnung wird zunächst an den unmittelbaren Erlebnissen gesetzt, diese werden, auf Grund gewisser Bestimmtheiten, die sich mit ihnen (zunächst besonders Gehörs- und Tasteindrücken) verbinden („Temporalzeichen"), unmittelbar — aber mit Hilfe des Gedächtnisses und der Erwartung — und un- willkürlich (reaktiv) zu einer Reihe des Nacheinanders geordnet, in welcher die Glieder, auch nach ihrer Beziehung zum relativ dauernden Ich, als „gegenwärtig", „vergangen", „zukünftig" (jetzt, früher, später) charakterisiert erscheinen; hierbei treten oft Vergleiche mit physischen Abläufen unterstützend und kontrollierend ein. Das qualitativ Eigenartige der Zeit ist aber aus den am Zeitbewußtsein beteiligten Faktoren nicht ableitbar, ebensowenig wie die Räumlichkeit. Zu diesen Faktoren gehören Erwartungsgefühle, Spannungsempfindungen im Ge- folge der Erwartung, der Aufmerksamkeit, des Strebens zu neuen oder in der Vorstellung antizipierten Eindrücken. Die subjektive ist relativ, wechselnd; versenken wir uns in einen Bewußtseinsinhalt, der uns interessiert, so merken wir kaum etwas von Zeit. Ist unser Bewußtsein leer von Inhalten, ohne daß uns irgend etwas fesselt, wird uns die Zeit lang (wir empfinden „Langeweile"), ebenso wenn wir etwas erwarten, was „auf sich warten läßt". In der Erinnerung erscheint uns die erlebte Zeit kurz, wenn sie wenige und dabei uninteressante Inhalte darbot, lang hingegen, wenn vieles, möglichst auch Interessantes, erlebt wurde. Im allgemeinen werden bei der unmittelbaren Zeitschätzung kleine Zeiten über-, große Zeiten unterschätzt; erfüllte Zeit- strecken erscheinen größer als relativ leere und das Rhythmisieren der Ein- drücke spielt hier eine Rolle. Betreffs der Dauer psychischer Vorgänge s. unmittelbaren, anschaulichen Zeitbewußtsein ist die begriffliche Zeit zu unterscheiden. Diese ist ein Produkt denkender (logischer) Verarbeitung der primären Zeitlichkeit, und ist so gedacht, daß sie der Gesetzlichkeit des Denkens genügt. Sie ist eine denkend gesetzte Ordnung, bei welcher vom Qualitativen und den Variationen des subjektiv-individuellen Zeitbewußtseins abgesehen wird, ein fester, konstanter, für alles Denken und Erkennen iden- tischer Rahmen, in den jedes Geschehen eingefügt wird. Diese „absolute" Z. ist ein ideales Gebilde und doch, weil ein unentbehrliches Mittel zur Her- stellung objektiv allgemeingültigen Erfahrungszusammenhanges, von „empirischer Realität", d. h. für alle mögliche Erfahrung und deren Objekte gültig; sie ist eine „apriorische" Voraussetzung, hat „transzendentale" Bedeutung. Diese „mathematische" Zeit mit den Merkmalen nicht bloß der „Eindimensionalität" oder „Einsinnigkeit", sondern auch der Stetigkeit und schließt die Relativität der physikalischen Zeitmessung nicht aus (mit bestimmten relativ konstanten Veränderungen als Maßstab; vgl. Relativitätsprinzip; vgl. NA- TORP, Log. Grundlag. der exakt. Wissensch., 1910, 326 ff.). auch als „physikalische" Zeit angesetzt werden mag, jedenfalls wir in ein allgemeingültiges Zeitsystem die begrifflich (kategorial) verarbeiteten Inhalte möglicher Erfahrung, die Dinge und Vorgänge ein, ordnen sie be- stimmten Zeitwerten zu, weil wir sonst keine einheitliche von Objekten können. Alle möglicher Erfahrung, alle „Erscheinungen" Handwörterbuch. 50
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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