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Handwörterbuch der Philosophie
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787 das Lesen, 1898; E. v. CYON, Das Ohrlabyrinth, 1908 (dieses ist Organ der Zeitvorstellung). Erkenntnistheoretisch gilt die Z. teils als Erfahrungsbegriff, teils als apriorische Form der Anschauung oder als Kategorie, teils als subjektiv oder als ideell (immanent), teils als objektiv, real, transzendent. In der älteren Philosophie gilt die Z. in der Regel als etwas Reales, un- abhängig vom Erkennen Existierendes, als eine Bestimmtheit der Bewegung. Nach PLATON freilich ist die Z. eine Bestimmtheit nur der werdenden Sinnen- dinge, die „Ideen" (s. d.) sind ewig, über aller Zeit (vgl. das „Seiende" der Eleaten, auch den indischen Idealismus). Die Z. ist ein Bild der Ewig- keit und erst (wie später auch nach PHILON U. a.) mit der des Ge- wordenen entstanden (Timaeus 38 B, f., f., Bf.; Republ. 529 D). Später lehrt PLOTIN, die Zeit sei „nicht außerhalb der Seele", sondern Leben der Seele, Ausdehnung eines Seelenlebens (Enneaden III, 7, 7 ff.; vgl. BERGSON); ähnlich JAMBLICHOS. — Nach ARISTOTELES wird die Z. zugleich mit der Bewegung (Veränderung) wahrgenommen, als das Früher und Später in derselben. Sie ist das Maß der Veränderung betreffs des Früher oder Später und für uns nicht ohne die zählende Seele. Die Z. ist stetig, nicht aus diskreten Teilen zusammengesetzt, und unendlich. Das Un- wandelbare ist nicht in der Zeit (Phys. IV 10, 218 a 8; IV 218 b 33 ff.; IV 12, 221 b 20 f.). Nach den ist die Z. die Ausdehnung der Bewegung und als solche unkörperlich Diogen. Laert. VII, 141; Stobaeus, Eclog. I, 250 ff.). Die Bedingtheit der Zeitschätzung durch psychische Vorgänge (Erwartung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis) betont AUGUSTINUS. Die Z. ist erst mit der entstanden und an die Veränderung geknüpft (Confession. XI, 14 ff.; De civit. Dei XI, 5 f.). Die Erschaffung der Z. mit der lehren auch MONIDES (Doctor perplexor. II, 13) und THOMAS VON AQUINO, der sie wie Aristoteles definiert („numerus secundum prius et posterius"; Sum. theol. I, 10, vgl. Contr. gent. I, 15, 55). — Nach DUNS SCOTUS ist die Z. von der Bewegung nur gedanklich unterschieden (De rer. princ. qu. ff.). Vgl. SUAREZ, Disputat. metaphys. 50, sct. 8 ff. Als Bewegung messende Zahl bestimmt die Z. auch DESCARTES (Princip. philos. 1, 57). Sie ist keine dingliche Eigenschaft, sondern gedanklich an den Dingen gesetzt („modus cogitandi"). So auch nach SPINOZA (Cogitata meta- phys. I, 4; „Imagination": Eth. II, prop. GASSENDI. — Nach HOBBES ist die Z. ein „phantasma motus" und wird durch die Bewegung gemessen (De corpore, c. 7, 3), nach LOCKE die Auffassung der Dauer des Geschehens (Essay concern. hum. understand. II, K. 14, § 3). Nach BERKELEY besteht die Z. bloß in der Vorstellungsfolge XCVIII), nach HUME in der Art und Weise, wie Eindrücke in ihrer Aufeinanderfolge erscheinen (Treatise II, sct. 3). — NEWTON unterscheidet von der sinnlich wahrnehmbaren, relativen die ab- solute, wahre, gleichmäßig fließende, mathematische Zeit absolutum, verum et mathematicum", philos. princip. mathemat., def. VIII; so auch CLARKE). Ideell ist die Z. nach BROOKE, E. LAW (Enquiry, K. 1), u. a. Nach LEIBNIZ ist die leere Zeit bloß eine „ideale Möglichkeit" Die Z. ist die „Ordnung des nicht zugleich Existierenden", des Nacheinanders, die Ordnung der möglichen Veränderung und hat als solche 50*
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Handwörterbuch der Philosophie
Titel
Handwörterbuch der Philosophie
Autor
Rudolf Eisler
Verlag
ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
Ort
Berlin
Datum
1913
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC 3.0
Abmessungen
12.7 x 21.4 cm
Seiten
807
Schlagwörter
Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
Kategorie
Geisteswissenschaften
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