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790 Zeitschwelle — Zufall.
wußtsein ist, betrachtet die Z. BERGMANN (System des objektiven
1906, S. 62 ff.). Nach GUYAU ist die Z. die Form der Entwicklung, eine
„Konsequenz des Übergangs vom Homogenen zum Heterogenen" (La de
du 1902, S. 119). BERGSON unterscheidet die homogene, abstrakte,
aus statischen Momenten zusammengesetzte mathematisch-physikalische Zeit
die eigentlich der Raum ist und dem das Wirkliche zu
praktischen Zwecken stabilisierenden, geometrisierenden entspringt,
von der schöpferischen Z. der wahren, realen
„Dauer" (s. d.), der Selbstschöpfung immer neuer Phasen eines stetigen Werde-
prozesses, wie er durch Intuition (s. d.), zunächst im Ich, unmittelbar erlebt
wird (vgl. et memoire, S. 205 f., ff.; Zeit u. Freiheit, 1911;
1910, S. 5 ff., 218 ff.); vgl. und Seele, 1912.
— VgL KLEINPETER, Archiv f. Philos. IV, 1898; OSTWALD,
und Vorträge, 1904, III, 241 ff.; EWALD, Kants kritischer
1910; Prinzipien der Erkenntnislehre, 1900; der
Metaphysik, I 1, L. BUSSE, Philosophie und Erkenntnistheorie,
1894, I, 79 ff.; SIGWART, Logik 1889/93, 84 ff.; 4. A. 1911;
REHMKE, Philosophie als Grundwissenschaft, 1910; UPHUES, Kant, 1906;
F. C. S. SCHILLER, Mind, N. S., IV, 1895; Riddles of the Sphinx2, 1910;
M. PALAGYI (S. Raum); G. H. FRANCKE, Eine des menschlichen
Geistes, 1908 (Z. ist Raum); K. C. SCHNEIDER, Das Wesen der Z. (Wiener
Klinische Rundschau, Nr. 11—12), 1905; NATORP, Allgemeine Psychol. I,
1912; POINCARE, Der Wert der Wissenschaft2, 1912; SCHMIED-KOWARZIK,
Umriß e. neuen analyt. Psychol., 1912; STÖCKL, Lehrbuch d. Philos. II8,
1912. — Vgl. Anschauungsform, Dauer, Ewigkeit, Relativitätstheorie, Werden,
Veränderung, Unendlichkeit, Stetigkeit.
Zeitschwelle (Ausdruck von CZERMAK, Ideen zu einer Lehre vom
Zeitsinn, 1879), das kleinste Intervall zwischen zwei Reizen, das eine Zweiheit
von Empfindungen erregt. Vgl. WUNDT, Grundz. der physiol. Psychol. III6,
1903, 45 ff.
Zetetiker s. Skeptiker.
s. Zweck. Zielvorstellung s. Deter-
mination.
s. Circulus, Beweis. Zirkeldefinition s. Definition.
s. Kultur. VgL CARPENTER, Die Z., 1903.
Zuchtwahl s. Selektion, Entwicklung.
Zufall casus) ist das unvorausgesehene, unberechenbare
Zusammentreffen von Vorgängen, die nicht selbst im Verhältnis von Ursache
und Wirkung stehen, aber doch ihre bestimmten Ursachen haben, die Kreuzung
eines Kausalnexus mit einem andern. Zufällig ist, was nicht als gesetzmäßige
Folge zu antizipieren ist, was als individuelles Faktum aus der vom Denken
nicht im Vorhinein zu bestimmten Konstellation einer Mehrheit von Faktoren
sich ergibt, ferner was einem Zwecke, einem Willen entspricht, ohne gewollt,
beabsichtigt, wollend realisiert zu sein. Der (relative, gesetzlich
spielt eine Rolle besonders in der Geschichte, aber auch in aller Entwicklung,
allem Werden überhaupt. Einen absoluten Z. im Sinne des Grund- oder
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Handwörterbuch der Philosophie
- Titel
- Handwörterbuch der Philosophie
- Autor
- Rudolf Eisler
- Verlag
- ERNST SIEGFRIED MITTLER UND SOHN
- Ort
- Berlin
- Datum
- 1913
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC 3.0
- Abmessungen
- 12.7 x 21.4 cm
- Seiten
- 807
- Schlagwörter
- Philosophie, Geisteswissenschaften, Objektivismus
- Kategorie
- Geisteswissenschaften