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fes, und setzen tlne Mettge angezündete Wachsker-
zen um sie herum. So lassen sie den todten Kör,
per gewöhnlich 24 Stunden lang oder noch länger
siehcn ; während dieser Zelt wird die Hausthüre of-
fen gelassen, damit alk, die im Hause bekannt
sind, und überhaupt alle Weiber von niedrigem
Stande in der Stadt, zu allen Stunden «in und
«usgehen linnin: dcnn es ist gebräuchlich, daß
sich solche Weibspersonen elnsinden und den Ver-
storbenen beweinen müssen. Diese stellen sich ge«
wohnlich gegen Abend schwarz gekleidet ein, und
bleiben den übrigen Theil der Nacht bey der Leiche.
Sobald sie in den Saal oder das Zimmer «lntre-
ttn, in welchem sich der Todte befindet, so näher«
sie sich ihm, nnd stellen sich, als wenn sie die Lei-
che umarmen wollten , und fangen alsdann mit er-
bärmlichen Gebärden ein trauriges Gcheulc an!
Dieses untermischen sie öfters mit einem grausamen
Geschrey, wobey sie den Verstorbenen wlcberho-
lentllch bey seinem Namen rufen. Hernach fahre»
fi« in eben dem Tone und Geschreye fort, alle gu-
te und böse Eigenschaften des Todten herzuerzählen,
nnd alle Laster und Tugenden, denen er im Leben
«geben gewesen ist, zu beschreiben ! — Dieses
geschieht oft so genau mit Beybringung aller Um-
stände , als wenn ts gebeichtet werden müßte.
Wenn die, welche dieses Amt verwalten, müde
sind, dann begeben sit sich ln einen Winkel des
Saales ober Zimmers, «0 ihnen dit Leidtra-
gende
Allgemeines Historien-Buch
von den Merkwürdigen Entdeckungen fremder ehedem ganz unbekannter Länder und Inseln
- Titel
- Allgemeines Historien-Buch
- Untertitel
- von den Merkwürdigen Entdeckungen fremder ehedem ganz unbekannter Länder und Inseln
- Autor
- Gottlob Täubel
- Ort
- Wien
- Datum
- 1796
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 31.0 x 50.3 cm
- Seiten
- 632
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen