Seite - 20 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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© 2020, V&R unipress GmbH, Göttingen
ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
nausoein,wiebeidenenanderernationalerHerkunft,wasKatharinaMannam
Beispiel von JanMatejkozeigt.Dessenursprünglich tschechischeFamiliehatte
sichinGalizienbeiderVerwaltungsarbeit fürdieDoppelmonarchiepolonisiert,
undMatejkowurdeeinberühmterHistorienmaler,dessenpolnisch-patriotische
Sujetsbisheutehochgeschätztwerden.UndobwohldieBilderkeineswegs im-
perial-staatstragendwaren,sondernganzimGegenteildieStärkederpolnischen
Nationherausstellten, erhieltMatejko dennochPreise undAuszeichnungen in
Wien –undnahmdiese Ehrungennur zu gerne an. Es schloss sich nicht aus,
polnischerNationalistundhabsburgischerUntertanzusein.
Hier lässt sichwieder einerdieser scheinbarenWidersprüche erkennen, die
abergeradeeinmultinationalesImperiumzurSelbstlegitimationzulassenmuss.
Dies wird insbesondere in den cisleithanischen Kronländern sichtbar. Dort
wurden, jenachGradderAkzeptanzder jeweiligenBemühungenzurBetonung
der nationalhegemonialen Herrschaftsverhältnisse innerhalb des imperialen
Rahmens, die nationalen Identitätskonstruktionsbemühungen gefördert oder
unterdrückt. Ebenso eindrucksvoll wie widersprüchlich zeigen das etwa die
striktnachKronländerndifferenziertenBändedesKronprinzenwerkes.34
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Es ist eine immer nochvorherrschendeTendenz, Imperialismusforschung ge-
wissermaßen,imperial‘ zubetreibenundausschließlichdiePolitikderZentrale
und ihre Sicht auf die Peripherie zu analysieren. Dieser Sammelband verfolgt
explizit aucheinedezentraleZugangsweiseundwill die Sichtweisenaußerhalb
des Imperiums einbinden.Die imperialenHerausforderungenÖsterreich-Un-
garns lassen sich nur erfassen, wenn zugleich deren lebensweltliche Auswir-
kungen untersucht werden. Insbesondere multiethnische Städte der Donau-
monarchiebietensichhierfüreineMikroperspektiveaufdieFormierungenund
Konjunkturen imperial-nationaler Diskurse an. Historiographisch-kulturwis-
senschaftlicheUntersuchungendazureichenbereitsbis indie1990er Jahrezu-
rück. Schon indiesenArbeitenwurdenHeterogenität, Pluralität undDifferenz
als wesentliche Faktoren der urbanenDiskursewie auch der Lebensrealitäten
betont.35
SchonaufgrunddervorhandenenForschungsinfrastrukturunddesbisheute
prägendenHauptstadtcharaktersstandenWien,PragundBudapestimZentrum
34 Peter Stachel, Die Harmonisierung national-politischer Gegensätze und die Anfänge der
Ethnographie inÖsterreich, in: Karl Acham (Hg.), Geschichte der österreichischen Hu-
manwissenschaften,Bd.4:GeschichteundfremdeKulturen,Wien2002,323–368.
35 Allenvoranseienandieser StelledieArbeitenvonMoritzCs#kyhervorgehoben, syntheti-
siert in:MoritzCs#ky,DasGedächtnisderStädte.KulturelleVerflechtungen–Wienunddie
urbanenMilieus inZentraleuropa,Wien2010.
BernhardBachinger /WolframDornik
/StephanLehnstaedt20
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918