Seite - 22 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
führungenvonEszterGantner zuBudapest sowie vonP8terTechet zum inder
Nähe vonRijeka liegendenDrenovaund vonG#bor Egry zu denungarischen
regionalen Zentren. Techet arbeitet an einemKirchenstreit in einer Kleinge-
meinde im Umland der aufstrebenden, aber durch den Nationalitätenstreit
zwischen Südslawenund Italienern gespaltenenundvondenungarischenBe-
amten imperial ausgeglichenen Küstenstadt Rijeka die Vielschichtigkeit des
national-religiösen ,Kulturkampfes‘ heraus. Spannend ist dabei, dass die sich
ansonsteneheralsübernationalerVermittlerpositionierendekatholischeKirche
klar auf eine Seite der nationalen Gegensätze stellte. Damit sollte auch eine
nationale Markierung vorgenommen werden, um die minoritäre italienisch-
sprachigeBevölkerungweiterhinzumarginalisieren.
AufeineähnlichePerspektiveverweistauchderBeitragvonEgry.Erarbeitet
anhand der siebenbürgischen StädteMaramures‚/Maramuresch, Bras‚ov/Kron-
stadtunddersiebenbürgischenRegionalpolitikdieimperialenDifferenzansätze
inderansonstenaufHomogenität zielendenMagyarisierungspolitikBudapests
heraus. Entgegen dem Selbstverständnis der Verwaltungseliten Cisleithaniens
waren inTransleithaniendiese geradedieTräger ungarischerMajoritätsversu-
che. Die Beispiele zeigen aber die Spielräume und Kompromissfähigkeiten,
welche insbesondere für imperialeMachtstrukturensozentral sind.
DengrößtenKontrast zudieser Praxis derDifferenz stellt einenational ho-
mogeneStadt inCisleithaniendar,derenMehrheitsbevölkerungnochdazudie
ElitedesKronlandesunddesimperialenZentrumswiderspiegelt:Graz.Wolfram
Dornik zeigt anhandder Selbstverortungder Stadt seit den 1880er Jahrenden
deutschnationalen Charakter der inneren Auseinandersetzungen. Auch oder
geradeweil die zweite großeNationalität desKronlandes, die slowenischspra-
chige Bevölkerung in den ländlich geprägten untersteirischen Gebieten, im
Verwaltungs-undWirtschaftszentrumderSteiermarkunterrepräsentiertwar,in
den untersteirischen Städten aber mit Vehemenz die Akzeptanz ihrer wach-
sendenwirtschaftlichenundgesellschaftlichenRolle einforderte, gabsichGraz
ein antiimperiales Image. Demonstrativ wurde bei imperialen Feierlichkeiten
nicht die Kaiser-Hymne, sondern deutschnationales Liedgut abgesungen. Ge-
zielt wurde dies auch auf religiöse Diskurse ausgeweitet: insbesondere die
übernationalen Bemühungen der katholischen Kirche wurden im politischen
Diskurs offen und an den Universitäten mit Fäusten bekämpft; an letzteren
wuchsauchdieAblehnungderanund für sichprosperierenden JüdischenGe-
meinde,was sich inwüstemAntisemitismusäußerte.
IndiesemSinneistauchdasTitelbildaufdemCoverdiesesBandesgewählt.Es
stehtalsSymbolfürdasSpannungsverhältnis, indemsichdiegesellschaftlichen
Diskurse der Habsburgermonarchie vorrangig bewegten, nämlich zwischen
imperialenundnationalenVorstellungen:DieAufnahmezeigt die Franz-Karl-
Brücke inGrazwährenddes „Deutschen Sängerbundfestes“ im Jahr 1902.Die
BernhardBachinger /WolframDornik
/StephanLehnstaedt22
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Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918