Seite - 29 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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© 2020, V&R unipress GmbH, Göttingen
ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
habsburgischen Herrschaftsbereiches aufgrund der begrenzten räumlichen
AusdehnungliebervoneinemGroßreichspricht,andererseits jedochwegender
langenDauer sowie dermittel- und südosteuropäischenEntwicklungen impe-
rialebeziehungsweise „postimperialeKonstellationen“erkennenkann.8
Langzeitperspektiven–ausderSichtderExperten
Zuletzt hat Arno Strohmeyer versucht, Wege aus dem Deutungsdickicht zu
weisen. SeinerEinschätzungnachbestehezwischendenAnnäherungenandas
ThemabezüglicheinigerAspekte„weitgehendeÜbereinstimmung“,nämlichin
Bezug darauf, dass die relevanten Gemeinwesen „großräumige, über längere
Zeiträume bestehende und somit relativ stabile Machtakkumulationen“ dar-
stellten.Häufig,ergänzteer,seiauchvon„konfliktreicheninternenBeziehungen
zwischenZentrumundPeripherie“dieRede,ebensowievon„unklarenGrenzen
zu ,Barbaren‘“,von„imperialenIdeologien“sowievoneinem„zivilisatorischen
Gefälle zwischenHerrschendenund(diskriminierten)Beherrschten“.9
InSummeentschiedsichStrohmeyerdannimZugeseinerAnalysen für vier
repräsentativeAspekte:
Erstensbetonteerdaher,dassesdem,Erzhaus‘ immerschwererfiel,expansiv
zubleiben.Ressourcenknappheit,kontinentaleRivalenunddasScheiterneines
eigenenÜberseekolonialismuswarenhierfür signifikant.10
Zweitens ließ sich nicht ohneWeiteres eine ,Zentrum-Peripherie-Struktur‘
feststellen. Auch wenn verschiedentlich speziell der Balkan und namentlich
Bosnien-Herzegowina als Exempel für „quasi-kolonialeHerrschaftskomplexe“
angeführtwerden:InSumme–undtrotzderStrahlkraftWiens–könntenweder
dieseitMariaTheresiasmitdenErblandenverbundenenböhmisch-mährischen
Teile desKernstaates noch ganzGalizienmit seinen privilegierten polnischen
Eliten als Peripherien oder garKolonien gelten. In besondererWeise traf dies
außerdem auf die ihre Selbständigkeit und eigenen Traditionen betonenden
Ungarn innerhalbdesheterogenenhabsburgischenMachtbereichszu.11
8 Münkler, Imperien (wieAnm.1), S. 23; vgl. ChristineMagerski, FalscheGewichtung?Das
Zentrum-Peripherie-ProbleminTheorieundLiteratur, in:MatthiasSchmidt/DanielaFinzi/
Milka Car/WolfgangMüller-Funk/Marijan Bobinac (Hg.), Narrative im (post-)imperialen
Kontext.LiterarischeIdentitätsbildungalsPotential imregionalenSpannungsfeldzwischen
HabsburgundHoherPforte inZentral-undSüdosteuropa(Kultur–Herrschaft–Differenz,
21),Tübingen2015,S. 120–138,hierS. 121f.
9 Strohmeyer,DieHabsburgermonarchie (wieAnm.4), S. 1033.
10 Strohmeyer,DieHabsburgermonarchie (wieAnm.4), S. 1034–1039.
11 Strohmeyer,DieHabsburgermonarchie (wieAnm.4), S. 1038–1041.
WardieHabsburgermonarchieein Imperium? 29
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918