Seite - 30 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
Drittens fehlteweitgehenddie für ImperientypischeAsymmetrie, vorallem
in Form flexibler „Außenzonen“ zu vermeintlich barbarischen, inferioren
Nachbarn.12 Diplomatisches Zeremoniell und die Festlegung der Territorien
inklusive derUmgestaltung einer bis ins 19. Jahrhundert bestehendenMilitär-
grenze verwiesenvielmehr selbst in denumkämpften südosteuropäischenGe-
bietenaufeinebisinsDetaildargestellteSymmetriezwischenHabsburgernund
Osmanen.13
Viertens und andererseitswar jedoch gerade derGegensatz zwischenWien
und der Pforte imperial aufgeladen,mit entsprechendenKreuzzugsideen, ge-
stützt von religiösem und dynastischem Denken, das bisweilen universale
Ordnungsvorstellungenmiteinschloss.14
DasEndederHerrschaftüberSpanienundseinmaritimesWeltreichbrachte
hinsichtlichdessenallerdingsRückschlägemit sich,welchedieCasadeAustria
zunächst durch eine Stärkung ihres Einflusses imDonauraumundamBalkan
kompensierte.
Hinzukamdie Führungsrolle imHeiligenRömischenReich.DessenAuflö-
sung imKampf gegenNapoleon nahmder habsburgischenMacht dann aber
endgültig viel von ihrer imperialenAura. Ein österreichisches Kaisertummit
schwacher Gesamtreichsidentität bot keinen Ersatz, umsomehr als es gegen
Preußenund Italien letztlichunterlag undmit demRückzug ausDeutschland
und der Apenninenhalbinsel auch territorial alte Ansprüche auf Größe und
Einflussaufgebenmusste.15
Diek.u.k.-Balkanpolitikder folgendenDekadenundihreAuswirkungenauf
den ErstenWeltkrieg treten solcherart als spät- und möglicherweise bereits
postimperiales Konfliktfeld in Erscheinung. Sie verweisen zudem auf ein
Spannungsfeld zwischen der aufrechterhaltenen Ideologie beziehungsweise
Mentalität des Imperiums16, zumindest in Gestalt seiner Entscheidungsträger
und teilweise seiner ,staatstragenden Völker‘, einerseits und – andererseits –
demVerlustanimperialenStrukturenundRessourceneinerMonarchie,die,wie
ArnoStrohmeyerresümiert,„keinvollwertigesImperiumwar, jedochimperiale
Dimensionenaufwies“.17
12 Münkler, Imperien (wieAnm.1), S. 16f.
13 Strohmeyer,DieHabsburgermonarchie (wieAnm.4), S. 1041–1044.
14 Strohmeyer,DieHabsburgermonarchie (wieAnm.4), S. 1044–1047.
15 Matthias Stickler, Reichsvorstellungen in Preußen-DeutschlandundderHabsburgermon-
archie inderBismarckzeit, in:FranzBosbach/HermannHiery(Hg.), Imperium–Empire–
Reich. EinKonzept politischerHerrschaft imdeutsch-britischenVergleich (Prinz-Albert-
Studien, 16),München1999,S. 133–154.
16 Zur imperialen Ideeauch:Leitner, Imperium(wieAnm.2), S. 223.
17 Strohmeyer,DieHabsburgermonarchie (wieAnm.4), S. 1049.
HannesLeidinger30
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918