Seite - 31 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
Wortmeldungen–um1908
AußerAcht gelassenwurde indieser kurzenSkizzehingegeneineandereAna-
lysekategorie, die Strohmeyer berechtigterweise als „grundlegend“ beschrieb,
nämlich die auch von Hans-Heinrich Nolte hervorgehobene Trennung „zwi-
schen einem zeitgenössischen Verständnis und der Verwendung ex post als
Analysemodell“, zwischen „quellenimmanenten“ und „historisch-systemati-
schenbeziehungsweise theoretischenBegriffsauslegungen“.18
Hinsichtlichdessenliegteszunächstnahe,ausgehendvombegriffsprägenden
antikenAusdruck,dermitImperiumdieAmtsgewalt,denHerrschaftsraumund
letztlichdieWeltherrschaftder,ewigenStadt‘meinte,das ImperiumRomanum
als Referenzmodell heranzuziehen.19 Dies geschah in den jüngsten, oft frag-
würdigenDiskussionenüber die Rolle derUSA in der Epoche nach 1989/9020
ebensowieetwaAnfangdes20. Jahrhunderts. SignifikanterWeisegaltenderlei
Bemühungen etwa den letzten k.u.k.-Expansionsbestrebungen, konkret im
Zusammenhangmit der von einer schweren internationalenKrise begleiteten
AnnexionBosnien-Herzegowinas durch dieHabsburgermonarchie. ImPrager
Abendblatt fanden sicham29.Dezember1908demgemäßAuszüge einesArti-
kelsdesBerlinerLokalanzeigers, indemeshieß: „AlbionsStolzaufdieeigenen
kolonisatorischen Erfolgemuß in Demut sich vor jenen der Oesterreicher in
Bosnien beugen. Seit Römertagen hat unsere Erde ähnlicheWunder nicht ge-
tragen. Auf Römerart konnten sie vollbracht werden, weil ein Imperium […]
seiner Zivilisation einHeim inder Fremde schuf. Voran gingen die Legionen.
[…]Dann luddas ImperiumdieBarbaren ein, imBurgfriedenderKastelle zu
wohnenundunter demSchutz vonCenturionen fortanunbelästigt von serbi-
schenRäuberbandenoder türkischenSteuerbeamtendieFrüchte ihres Fleißes
zu verzehren. Die Kinder der Scholle kamen und erwarben während eines
Menschenalters Besitz, der uns bescheiden, aber Balkankindern als kaum in
TräumenerhoffterReichtumgilt.“21
Die schwülstige Wertschätzung der Donaumonarchie durch einen „reich-
deutschenBeobachter“, der imperiale Zielsetzungennicht bloßmit einemde-
spektierlichen Blick auf „Einheimische“, sondern offen mit einer kolonialen
18 Nolte, 1., 2., 3. Reich? ZumBegriff Imperium (wieAnm.6), S. 7–16; vgl. Strohmeyer,Die
Habsburgermonarchie (wieAnm.4), S. 1033.
19 Die oftmals festzustellendeOrientierung ambritischen Empire ist eher demmachtpoliti-
schenDiskursder,spätenNeuzeit‘ inhärent.Manwirdnicht fehlgehen,dasRömischeReich
alssubstanzielleresReferenzmodellhöhereinzuschätzen.EntsprechendeQuellentexte–wie
nachfolgend auch in diesemText – können dafür als Beleg dienen. Dazu auch:Münkler,
Imperien(wieAnm.1),S. 13,15und19f.;sowie:FranzBosbach/HermannHiery,Einleitung,
in:dies. (Hg.), Imperium–Empire–Reich (wieAnm.15),S. 11.
20 Leitner, Imperium(wieAnm.2), S. 11f.
21 ZitiertnachPragerAbendblatt 297 (29.12.1908), S. 1.
WardieHabsburgermonarchieein Imperium? 31
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918