Seite - 33 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
fest: „Franz Josefs geschichtliche Bedeutung ist unschwer zu bestimmen:mit
ihmendetdasHabsburgische Imperiumund in seinenGeschicken ist es abge-
schlossen; und seine Aufgabe war es, dem neuen Staate, dessen räumliche
Grenzenwohl beschränkt, dessen innere Entwicklungsmöglichkeiten aber un-
begrenzt sind,dieBahnzueröffnen.“26
Kommentare–von1912bis1914
Hierwurde also das Ende des imperialen Charakters eines Reiches angespro-
chen, nicht aber ein Mangel an Gestaltungschancen im Donauraum, wofür
gleichfallsAnschauungsmaterialexistierte:DiewirtschaftlichenEntwicklungen,
die kulturelle und soziale Dynamik, aber auch die Ausgleichsbemühungen
zwischendenNationalitäten inZentraleuropagabenkeineswegs allein ausder
SichtvonHof-undRegierungskreisenAnlasszurHoffnung.27
AlledaraufBezugnehmendenKonzeptemitambitionierterenZielsetzungen
fanden innerhalb der organisierten Arbeiterbewegung für gewöhnlich keine
Billigung.DieparlamentarischenDebatten inderHabsburgermonarchiewaren
dafür ein gutes Beispiel. Der tschechische Sozialdemokrat Antonin Nemec
wendetebeispielsweise imZusammenhangmitErwägungenüberdieStärkung
der k.u.k.-Marine ein: „Wir haben keine Kolonien, wir haben keinen nen-
nenswerten Außenhandel; unser Außenhandel nach der Levantemacht nicht
einmal soviel aus,wie einKriegsschiff kostet.Was sollenunsereKriegsschiffe
nützen,wennwirvonallenMärkten,diewirfrüherbeherrschthaben,verdrängt
werden?“28NemecrichteteseinAugenmerkaufeine„ökonomischeGesundung“,
während Gesinnungsgenosse Wilhelm Ellenbogen vor dem Hintergrund der
Balkankriegenoch einmal die langjährigeParteilinie betonte, eine innereUm-
gestaltungderMonarchieohneimperialeAttitüden.Dahergelteesauch,anders
wie in letzterZeit,einenselbstschädigendenHandelskriegmitSerbienalsFolge
der bilateralen Konfrontation zu beenden und freundschaftlicheWirtschafts-
beziehungengerade indieserRegion zu forcieren.Ansonstenmüsseman ein-
sehen,„daßdieRolleÖsterreichsaufdemBalkanausgespielt istunddaßwirmit
verschränktenArmen, ohneuns einzumischen, zuzusehenhaben,was sichda
untenvollzieht.“29
Eswaren solcherart dieBlätter der Linken, die,wie derBöhmerwald-Volks-
bote, das „neueWort“ des „Imperialismus“ und das damit verbundene, „der
26 Arbeiter-Zeitung332(02.12.1908), S. 1.
27 ChristopherClark,TheSleepwalkers.HowEuropewent toWar in1914,London2013,S. 73
und83–87.
28 DelegationdesReichsrates, 7. Sitzungder48.Sessionam16.12.1913, S. 369.
29 DelegationdesReichsrates, 2. Sitzungder48.Sessionam10.12.1913, S. 26und31.
WardieHabsburgermonarchieein Imperium? 33
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918