Seite - 37 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
Gebiet, welches schon infolge der geographischenLage von altersher in erster
Linie aufdie IndustrieerzeugnissederösterreichischenundungarischenMon-
archiehingewiesen ist,möglichst fest andieMonarchiezubinden…“.38
Unter solchen Gesichtspunkten entsprachen die ,Einverleibung‘ Bosniens
und der Herzegowina ebenso wie das Interesse an Albanien als adriatische
BastiongegenItalienundalsKeilzwischenSerbienundMontenegroWünschen
und lang gehegtenZielen insbesondere derösterreichisch-ungarischenEliten,
dienachwievor imperialistischenund teilweise auchkolonialistischenPrinzi-
pienentsprachen.ZwarerhieltBosnien-HerzegowinaimLandesstatutvon1910
allgemeineBürgerrechteundeinenLandtag,dessenAbgeordnete zumgrößten
Teil durchWahl bestimmtwurden,39 JustizsystemundöffentlicherDienst ori-
entierten sich aber nur partiell an den ,Strukturen‘ des übrigen Reiches.40
SchwerernochwoghingegendieDespektierlichkeitdesaltenZentrumsgegen-
überderneuenPeripherie.DieAußenpostenamBalkangaltenmindestens als
rückständige Entwicklungsgebiete, wennnicht als Sphärender ,Missionstätig-
keit‘. InAlbanienbeispielsweisebekamen„die in abhängigenLändernübliche
österreichischeArroganz“selbstoffiziell verbündete Italienerzuspüren.41
ZugleichmusstenmancheNationalitätenvertreter und Parlamentsabgeord-
nete, die sichvon innenpolitischenÜbereinkünfteneineneueMachtentfaltung
derDonaumonarchie erhofften, resignierenderkennen, dass sichvornehmlich
unter den ,dominierendenVölkern‘, denOberschichten, den ,Etablierten‘ der
Hauptstädte, denHof- undRegierungskreisen nichtwenige fanden, die loyale
Staatsbürger verschiedenster Sprachgruppen,Gesellschaftsmilieus undReligi-
onsgemeinschaftenunverändert als ,unmündigeKinder‘ und ,Untertanen‘ von
obenherabbehandelten.NichtbloßderethnischeStreitsowiediepermanenten
Differenzen zwischen Cisleithanien und den ,Ländern der Stephanskrone‘
trübtenunterdiesenBedingungendaserwähnteKronjubiläumFranzJosephsim
Jahr 1908.Die damaligenFestzüge entfalteten einen „unechtenGlanz“,meinte
etwa eine Bildungselite, die von der „Anhöhe der Zivilisation“ auf „Völker-
schaften“ herabblickte, welche, wie der Architekt Adolf Loos es formulierte,
„selbst während der Völkerwanderung als rückständig empfunden worden
wären“. Die Heterogenität der Donaumonarchie artikulierte sich auch im
Hochmut der „Edelmenschen“ gegenüber den „Primitiven“. Elegante Haupt-
städter und arrogante „Deutschtümler“ schauten in derManier vonKolonial-
herren auf „Provinzler“ aus entlegenenKronländern herab, auf fremde „Ras-
38 ZitiertnachKolm,DieAmbitionenÖsterreich-Ungarns (wieAnm.37), S. 98.
39 Judson,TheHabsburgEmpire (wieAnm.23), S. 483.
40 Judson,TheHabsburgEmpire (wieAnm.23), S. 483.
41 Canis,DiebedrängteGroßmacht (wieAnm.37), S. 429; vgl.Kolm,DieAmbitionenÖster-
reich-Ungarns (wieAnm.37), S. 305.
WardieHabsburgermonarchieein Imperium? 37
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918