Seite - 42 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
desk.u.k.-Doppelstaates.ÖsterreichsundUngarnsMinisterpräsidenten stan-
den etwaZollunionsplänendistanziert gegenüber, dieGesprächemit demHo-
henzollernreich über eine wirtschaftliche Annäherung versandeten rasch. Im
k.u. k.-Außenministerium und in regierungsnahen Zeitungen gab man sich
bezüglichder„Mitteleuropa-Idee“zugeknöpft.59
Ungeachtet derartiger Einschränkungen, verwendete kurz danach, im Ge-
folge des Zerfalls des Habsburgerreiches, speziell die Arbeiter-Zeitung die
Kampfbegriffe„Imperium“und„Imperialismus“vorallemdazu,dieHerrschaft
des„HausesÖsterreich“zubrandmarken.NichtdieUnterdrückungspeziellder
„slawischen Völker“ stand hierbei jedoch imMittelpunkt der Ausführungen,
sondernvielmehrdas„Massenschlachten“fürdieDynastie,diesich,betontedie
AZam18.Dezember1918, „vomdeutschenBlutegenährthabe“.60
Der vollständig pejorative Ausdruck diente nun gleichzeitig zur Veran-
schaulichung der Schwierigkeiten für die kommende Nachkriegsordnung in
multiethnischenRegionen. DieGrazerMittags-Zeitung informierte ihre Leser
am6.Dezember1918beispielsweisedarüber, dass eineDelegationdes „slowa-
kischenVolkes als solches“ es ablehne, „unter ein tschechisches Imperiumge-
stellt“ zu werden.61DreiWochen zuvor, exakt am 14.November, war es wie-
derumdieArbeiter-Zeitung, die ein „rumänisches ImperiumsüberSiebenbür-
gen“bemäkelte.62
ZusammenfassungundErgänzung
Mit demTerminus „Imperium“ inder Propagandaschlacht ab 1914hobunter
anderemdiePressederDonaumonarchiedieUnterdrückungvonverschiedenen
Völkern indenFeindstaatenhervor, eineDefinition,diedannauch indenMe-
dien der entstehendenAlpenrepublik den Imperiums-Charakter der Nachfol-
gestaatenÖsterreich-Ungarns belegen sollte. In Summe stehen dieser, auch
mittelskriegsbedingterFeindbildverstärkungverursachtenSimplifizierungund
Ausblendung von Defiziten der k.u.k.-Nationalitätenpolitik differenziertere
Debattenvor 1914gegenüber.Dabei erweist es sich als sinnvoll, denTerminus
„Imperialismus“, trotz seiner ideologischenFärbungenundderdabei erkenn-
baren, aus ForschungsperspektivenhinderlichenKonzentration auf denMacht-
willen eines Herrschaftszentrums, nicht zu sehr vom Ausdruck „Imperium“
loszulösen.Auchwenn imeinenFalldasNormative-Wertendeund imanderen
59 Ehrenpreis,Kriegs-undFriedensziele imDiskurs (wieAnm.55), S. 114und177.
60 Arbeiter-Zeitung345(18.12.1918), S. 1.
61 GrazerMittags-Zeitung280(06.12.1918), S. 4.
62 Arbeiter-Zeitung311(14.11.1918),S. 3;vgl. IllustriertesÖsterreichischesJournal1369(25.
11.1918), S. 2.
HannesLeidinger42
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918