Seite - 43 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
Fall dasDeskriptive-Analytischeüberwiegenmag:DiebeidenBegriffe verwei-
sen unausgesetzt aufeinander und sind durch eine Reihe vonAspekten –bis-
weilenunterEinbeziehungkolonialer Expansionsideen–mit einander zu sehr
verflochten,uminthemenrelevantenStudientrennscharfabgegrenztwerdenzu
können.63WieEduardBernsteinsWortmeldungen belegen, ließ sich der „Im-
perialismus“ solcherart als Fortschritt in einemGeschichtsprozess verstehen,
hin zuerweitertenHorizonten, inmentaler undkultureller ebensowie inpoli-
tischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht. Angesichts dessen kann hier
neben dem Bezugspunkt des Imperium Romanum schon die hellenistische,
(nach-)alexandrinischeWelt als Beförderer universalistischer Tendenzen, von
ökonomischenbis zumoralischenAspekten, verstandenwerden.
DieOrientierung an antikenVorbildern findet, wie gezeigt werden konnte,
nachweislich noch im Falle der späten Donaumonarchie statt, allerdings in
einem sehr spezifischen Kontext, der hauptsächlich den Studien von Peter
Haslingerund–allgemeiner–vonArnoStrohmeyerBedeutungverleiht:Nichts
sprichtdagegen,dieWesensmerkmaleeines ImperiumsderHabsburger inden
MittelpunktderUntersuchungenzurücken.Allerdingsverlierenmancheschon
frühanAnziehungskraft, bis schließlichdas lang19. Jahrhundert einendurch-
ausmarkantenEinschnitt vorbereitet.Analysen insbesonderederSozialdemo-
kratie imUmfeld der ,Annexionskrise‘ von 1908 verweisen auf zweierlei Ten-
denzen:Die (mögliche)Wandlungdes Imperiums in eine neue Formdes Zu-
sammenlebens imDonauraumeinerseits unddie spätimperialenReflexe einer
vomReputations- undpartiell auchvomExpansionsdenken insbesondere am
BalkangelenktenElite.
Aus demBlickwinkel einer Transformation der ,altenOrdnung‘ in ein ,re-
vitalisiertes‘ Staatsgefüge, wie sie die Arbeiter-Zeitung beim sechzigjährigen
Regierungsjubiläum Franz Josephs andeutete, tritt zudem die Sinnhaftigkeit
einerDifferenzierung zwischen Imperiumund (Groß-)Reich hervor. Letzteres
empfanden – im Zeichen der Reform und bei gleichzeitiger Ablehnung der
bisherigenMachterweiterungs- beziehungsweise ,Eroberungs‘-Pläne – Reprä-
sentantender organisiertenArbeiterschaft als geeignetenRahmen für zielfüh-
rendeUmgestaltungen imSinne internationalistischer Ideale.
DieDebatteberührtezugleichdurchausaktuelleAuseinandersetzungenüber
klassischedreistufigeKulturmodelle, also auchüberAufstieg,Höhepunktund
VerfallvonImperien.WieschonEduardBernsteinaufzeigte, ließsichmiteiner
BefürwortungderGleichwertigkeit aller ,Reichsteile‘ beiBewahrunggemeinsa-
mer Identitätsmerkmale auchderWegzueiner ,viertenPhase‘, zueinerTrans-
formation ineinen(postimperialen) ,Commonwealth‘, antreten.64
63 Dazuauch:Münkler, Imperien(wieAnm.1), S. 20f.
64 Vgl.Leitner, Imperium(wieAnm.2), S. 7–9.
WardieHabsburgermonarchieein Imperium? 43
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918