Seite - 49 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
wird nach den Möglichkeiten einer nationalen programmatischen Instru-
mentalisierung, einernational-diskursivenAneignungeines Imperiums in sei-
nermultiethnischen, ,multikulturellen‘undtransregionalenDimension.7
(1.) Imperien sind territorial umfassende, oft nach innen strukturierte und
zumindest in bestimmtenZeiten expandierendeHerrschaftsgebilde vonüber-
regionalerDimension.DieseDimensionunddieQualitätdes(Über-)Regionalen
können je nach Raum und Zeit sehr unterschiedlich sein, vor allem jedoch
unterliegen sie demhistorischenWandel. Sokönnenals imperial und transre-
gional solche Herrschaftsgebiete und Entitäten bezeichnet werden, die den
–grobformuliert–ihrerhistorischenZeitgrundlegenden,üblichenterritorialen
wie herrschaftsorganisatorischen Rahmen deutlich, langfristig und gezielt
überschreiten: dieswären etwa inder griechischenAntikeHerrschaftsgebilde,
dieüberdenlokalenRahmeneinerPolishinausexpandierten,umdannmitden
großenImperien imOstenzusammenzustoßen. Im,feudalenMittelalter‘waren
es jenegrößerenHerrschaftsgebilde, indenenältereHerrschaftsstrukturenund
Stammesgebiete integriert warenund/oder in denenmehrschichtige Lehnver-
hältnissekonfigurierten.ImSpätmittelalterundinderFrühneuzeitsprechenwir
über die klassischenMonarchien, in deren Rahmen verschiedene Landesein-
heitenundhistorischeTerritorienvereinigtwaren–obdurchmilitärischeEx-
pansion,HeiratspolitikodernachträglicheZementierungundVerstetigungder
Herrschaft indenzusammengetragenenWahlmonarchien,wasalles gerade für
dasHabsburgerreichwohl in besondererWeise gilt. In der europäischenMo-
dernewürdemanvon einem Imperiumdort sprechen können,wodie Staats-
bildungsprozesseden territorialenRahmenvonNationenundüblichenNatio-
nalstaatenüberschreiten.
DieswargenaudergrundsätzlicheWandel, dendieÖsterreichischeMonar-
chie im 19. Jahrhundert durchlief: Die modernen Nationsbildungen führten
dazu, dassderGesamtstaat imwahrstenSinnedesWortes eine supranationale
DimensionerhieltundalssolcherauchvonallenSeitenwahrgenommenwurde,
währendseineLänderstruktur–politischnachwievorrelevant–,image-mäßig‘
allmählich indenHintergrundtrat. IndiesemSinneerscheint esübrigenspro-
blematisch, dieHabsburgermonarchie in ihrer ganzenExistenz seit der Früh-
neuzeitbiszuihremZerfallalsVielvölkerreichzubeschreiben.Dieshatzwarfür
alle Etappen ihrer historischen Entwicklung eine Begründung, diese Begrün-
dungistaber für jedeEpocheeineandere:Sprechenwirvomfrühneuzeitlichen
Vielvölkerreich derHabsburger, so sind als ,Völker‘ zeitgenössisch die Bevöl-
7 Vgl. hierzu zuletzt kursorisch Pieter Judson, Die Habsburgermonarchie. Neue Interpreta-
tionen, in: Bohemia. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Böhmischen Länder 57/1
(2017), S. 3–11.
DieHabsburgermonarchie–ein ImperiumihrerVölker? 49
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918