Seite - 52 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
sprachlich und stellten den größten Teil des Elitenreservoirs dar. Auch die
magyarisch-sprachigenUngarnunddiePoleninGaliziengenossenzumindestin
ihren Ländern eine semi-dominante Position gegenüber anderen ethnischen
Gruppen, undbeidenationalisiertenLänderrepräsentationenbeziehungsweise
NationalelitengingenwährendderzweitenHälftedesJahrhundertsnochstärker
als die Deutschen in Cisleithanien dazu über, die nichtmagyarischen und
nichtpolnischenGruppen zu dominieren. Insbesondere imUngarn nach dem
Ausgleich kannvon einemoffenenAssimilationsdruck gegenüber Slawenund
Rumänengesprochenwerden.11
Zunehmendkonfliktreich gestaltete sichdieLagenicht nurwegenderAus-
breitung und Vermassung von Nationalbewegungen der dominanten wie
nichtdominanten ethnischen Gruppen. Gleichzeitig erweiterten auch die Re-
präsentationen nichtdominanter Gruppen ihre bisher eher sprachlichen und
kulturellen Forderungen und Ziele um eine starke politische Programmkom-
ponente. Inder rumänischen, tschechischen,kroatischen, slowenischen, italie-
nischen, ruthenischenoder slowakischenBewegunggabesmehroderweniger
konkrete Vorstellungen über nationale Autonomie oder zumindest über eine
derartige Gestaltung politischer und administrativerVerhältnisse, die aus der
Sicht der jeweiligen Repräsentation eine Gleichberechtigung der Völker und
somit ihre freienationaleEntwicklung inallenBereichengarantierenwürden.12
DabeigingesalsonichtnurumdieHerbeiführungeinerformalenGleichheitvon
SprachenundVölkernaufderLandesebeneund–imweiterenHorizont–aufder
EbenedesGesamtstaates, sondernauchumdieSchutzfunktionderMonarchie
gerade für jeneethnischenGruppen,die sich imgeopolitischenSinnemeist als
,kleine‘Völkersahenundpositionierten(diesgiltübrigensauchfürdiepolitisch
wie statistisch stärkste Bewegung unter den nichtdominanten Gruppen – die
tschechische).
HierwardasHabsburgerreichalsGesamtstaat gefragt:mit der Schutzfunk-
tionalsStabilitätsgaranterhieltesindenentsprechendennationalformulierten,
aber transnationalübergreifendenDiskursen eine typisch imperiale ,Mission‘,
allerdings hier nicht nur mit Bezug auf das Gesamtreich, sondern auf seine
einzelnen Teile. Die für dieModerne als typisch diagnostizierteDialektik der
„nationalisiertenImperienundimperialenNationalismen“13machtesichgerade
11 Vgl. u.a. Ludwig Gogol#k, UngarnsNationalitätengesetze und das Problemdesmagyari-
schen National- und Zentralstaates, in: AdamWandruszka/Peter Urbanitsch (Hg.), Die
Habsburgermonarchie 1848–1918, Bd.3, Die Völker des Reiches, Teilbd. 2, Wien 1980,
S. 1207–1303.
12 MiroslavHroch, In theNational Interest.DemandsandGoalsofEuropeanNationalMove-
ments of theNineteenthCentury. AComparative Perspective, [Übersetzungder tschechi-
schenAusgabe2000],Prag2000.
13 Gehler/Rollinger, Imperien inderWeltgeschichte (wieAnm.6), S. 14. Milosˇ
Rˇezník52
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918