Seite - 54 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
vorgeseheneSubjekt vonpolnischen Imperialprojektendar, sonderneinenpo-
tentiellenBeteiligteneinesangestrebtengesamteuropäischenKonflikts,ausdem
ein freiesPolen ,wieder‘ entstehenwürde.Teilweise ähnlichwardienationalis-
tisch-großdeutscheBewegung inÖsterreich:Hier setztemanauf eine gesamt-
deutscheReichsgründung, inder sichÖsterreichals imperialeEntität faktisch
auflösen würde – es war ein großdeutsches, nicht österreichisches Imperial-
projekt.UndselbstdieruthenischeBewegungwardoch,trotzeineranhaltenden
Habsburgtreueund trotzdes fehlendenÜbergangs in eineMassenphase, nicht
frei von irredentistischenTendenzen–mit Bezug aufRusslandoder aber eine
gesamtukrainischeNationsbildung.16
Dagegen stehen die nationalen Programme und Visionen bei jenen nicht-
dominantenGruppen, denen keine irredentistische oder ähnlicheOption zur
Verfügung stand. Sehen wir auf ihre Programmatik für die Umsetzung einer
politischen Autonomie, so einigten sich diese Programme bis zum Ersten
Weltkrieginder,selbstverständlichen‘,dasheißtnichtreintaktischbegründeten
ZugehörigkeitzurHabsburgermonarchie.Siesollteabernacheinemmehroder
weniger föderalistischenModell umgebautwerden. Allerdings differierten die
Vorstellungen über die Subjekte und Teile dieser Föderation: die Tschechen,
KroatenundRumänenhieltenander staatsrechtlichenDogmatik festundnut-
zendamitdenVorteil, dass ihre Ideennichtmit derLänderstrukturdes Impe-
riumskollidierten.DadenSlowaken,SlowenenoderRuthenendieseMöglichkeit
nicht zur Verfügung stand, beriefen sie sich vielmehr auf das Naturrecht der
EthnienundverlangteneineNeustrukturierungnachdemethnischenPrinzip:
ZumerstenMalewurdebei denSlowenenbereits 1848 ein solchesZiel als po-
litischesProgrammformuliert.17
Doch dieMonarchie als Gesamtstaat sollte auch nicht geschwächt werden,
teilweise kannman sogar das Gegenteil behaupten – was allerdings nicht im
Widerspruch stand zur teilweise gewünschten Schwächung des gesamtstaatli-
chen Zentrums.Mit Ausnahme der Kroaten (und viel geringfügiger auch der
Slowenen), denen sich immer auch eine illyristische beziehungsweise später
jugoslawistische Alternative anbot,18 könnten wir sogar in der heutigen
16 GrundlegendAnnaVeronikaWendland,DieRussophilen inGalizien.UkrainischeKonser-
vative zwischenÖsterreichundRussland1848–1915 (Studien zurGeschichte derösterrei-
chisch-ungarischenMonarchie, 27),Wien2001.
17 RobertA.Kann,DasNationalitätenproblem inderHabsburgermonarchie.Geschichteund
Ideengehalt der nationalenBestrebungenvomVormärz bis zurAuflösungdesReiches im
Jahre 1918 (VeröffentlichungenderArbeitsgemeinschaft Ost, 4), Bd.1: DasReichunddie
Völker,Graz1964,S. 304.
18 U.a. Jaroslav Sˇidak,Studije izhrvatskepovijesti (Raspravei cˇlanci,2),Zagreb1973,S. 3–44,
95–111;MirjanaGross,ZurFrageder jugoslawischen IdeologiebeidenKroaten, in:Adam
Wandruszka/Richard G. Plaschka/AnnaM. Drabek (Hg.), Die Donaumonarchie und die
südslawischeFragevon1848bis 1918.Textedes erstenösterreichisch-jugoslawischenHis-
Milosˇ
Rˇezník54
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918