Seite - 59 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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© 2020, V&R unipress GmbH, Göttingen
ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
nologisches Pendant zu Tomeks historischer Agenda, Letzteres zu Palacky´s
ebenfallshistorischargumentierenderÖsterreichsStaatsidee.Wiedasberühmte
Kronprinzenwerk30oder andere, imErstenWeltkrieg imRegierungsauftrag er-
schienenePublikationenwieMeinÖsterreich,meinHeimatland31zeigen,wurde
die regionale und kulturelle Vielfalt geradezu zum Label, zu einem in der
Identitäts- undder ImagepolitikpositivbelegtenWahrzeichenderMonarchie,
insbesondereder cisleithanischenReichshälfte erkoren.Die fürdie imperialen
EntitätentypischeGrenzüberschreitungzwischenKulturenundgrundlegenden
räumlichenEinheitenpolitischerOrganisationwurdehier inderSelbstdarstel-
lung und im Selbstverständnis mit einer für die europäische Geschichte ein-
zigartigen Intensität gepflegt. Falls die moderne, nach dem österreichischen
Beitritt zur EU im Jahre 1995 laut gewordene Behauptung von der Habsbur-
germonarchie als einem historischen Vorgänger der Union32 in einem Punkt
stimmig erscheinenmag, dann ist das gerade hier: In der programmatischen
undidentitätsstiftendenBetonungderVielfalt inderEinheitundderEinheit in
der Vielfalt, die seit den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts nicht nur
verbalisiert, sondernnoch intensiver visualisiertwurde.
Gewisse Gemeinsamkeiten zwischen derWiener Zentrale und den Reprä-
sentationennicht-dominanterGruppenhaben sich spätestens seit 1848 immer
wieder dort gezeigt, wo der Zusammenhalt derMonarchie und ihr imperialer
Statusbedrohtzuseinschienen,dennindiesenBedrohungenwurdennunauch
die Gefahren für die nationale Entwicklung undGleichberechtigung gesehen:
Eine solche Gefahr stellten sowohl für dieMonarchie als auch für die Reprä-
sentationen der werdendenKulturnationen die ungarischeRevolution ebenso
wiedergroßdeutscheNationalliberalismusdar.VordiesemHintergrundhaben
sich übrigens zum ersten Male die deutsch-slowenischen, deutsch-tschechi-
schen, polnisch-ruthenischen, ungarisch-slawischen und ungarisch-rumäni-
schennationalenKonfliktliniengezeigt.Sie führtenauchzumdamaligen–und
später latenten–BündnismitderWienerZentrale,woraus sichderaktiveEin-
burg.GeschichteeinesImperiums1740–1918,[ÜbersetzungderenglischenOriginalausgabe
2016],München2017,S. 306–313.
30 Die österreichisch-ungarischeMonarchie imWort und Bild, Bd.1–24,Wien 1886–1902;
parallele, aber inhaltlich abweichendemagyarischsprachige Version: Az Osztr#k-Magyar
Monarchia &r#sban8sk8pben,Bd.1–21,Budapest1885–1902.
31 Siegmund Schneider/Benno Imendörffer (Hg.),MeinÖsterreich,meinHeimatland. Illus-
trierteVolks-undVaterlandskundedesÖsterreichischenKaiserstaates,Wien1914.
32 Vgl. unter den österreichischenHistorikern z.B. der frühere Lehrstuhlinhaber fürWirt-
schafts- und Sozialgeschichte der Karl-Franzens-Universität Graz Othmar Pickl (1927–
2008), in: Othmar Pickl (Hg.), Die Europapolitik Innerösterreichs um 1598 und die EU-
PolitikÖsterreichs1998.Referatedes internationalenSymposiums400 JahreEuropapolitik
Innerösterreichsum1598undÖsterreichs zurZeit seinerEU-Präsidentschaft 1998vom29./
30.Oktober 1998 inGraz (Forschungen zur geschichtlichenLandeskundeder Steiermark,
43),Graz2003,S.XI–XII.
DieHabsburgermonarchie–ein ImperiumihrerVölker? 59
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918