Seite - 79 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
stiftetesieeinetaktischeGemeinsamheit impolitischenWiderstandgegen
denKolonisator.52
(7.) WirtschaftlicheErschließung:53DieoffizielldurchdieMonarchieauferlegte
Beschränkung, dass Bosnien-Herzegowina einerseits durch eine allmäch-
tige Bürokratie regiertwurde, sich andererseits aber aus denProvinzein-
nahmen selbst finanizieren sollte, kennt etliche Präzedenzfälle auch bei
Kolonialgebieten sensu stricto. Paradoxerweise verhinderte aber gerade
dies –was gernevonHabsburg-Nostalgikern insFeld geführtwird– eine
kapitalistischeAusbeutung der besetztenGebiete, bis in die letzten Jahre
hinein, als privates Kapital in die Region floß und vor allem ungarische
BankeneinezunehmendePräsenzals Investorenzeigten.Ebensowirddie
infrastrukturelleErschließungBosniens(derBauvonrund2.000kmStraße
und1.000kmBahnlinien)54 als Entlastungsmaterial angeführt – aberdies
sindgenaudie ,zivilisatorischenErrungenschaften‘,mit denen sichKolo-
nisatorenauchinanderenTeilenderWeltgeschmückthaben.Dieeinseitige
EntwicklungderbesetztenGebiete, die ihreAbhängigkeit zu einem ,Mut-
terland‘ eher verstärkt,55 sindebenso typisch fürkolonialeRegimesdieser
Zeit;EvelynKolmmeintdazu:
„EinTransfer vonGeldundGütern als Zinszahlung für gewährteAnleihen, Repa-
triierungderGewinneösterr. undungar. FirmenundErsatzderBesatzungskosten
lassensichebensonachweisen,wiedieforcierteAusbeutungderRohstoffeBosniens
undderHerzegowinaunddiedamitverbundenenungünstigen ,termsof trade‘,die
einseitige Ausrichtung des Außenhandels und die Verhinderung des Aufbaus be-
stimmter Wirtschaftszweige durch die schlagartige Inklusion im gemeinsamen
Zollgebiet.“56
(8.) „Laboratory of Modernity“ vs. administrativer Konservatismus: Dient
Bosnien-Herzegowinawie auch andere imperiale Peripherien als Experi-
mentierfeld in technologischer wie sozialer Hinsicht (wie z.B. mit dem
frühenelektrischenTramway–SystemfürSarajevoseit1885),sostehtdieses
Phänomen, zu dem sichVergleichsmengen in anderen europäischenKo-
52 Vgl. Sugar, IndustrializationofBosnia-Herzegovina(wieAnm.28), S. 26,30f.
53 Siehe insbes. Sugar, Industrialization of Bosnia-Herzegovina (wie Anm.28); John Lampe/
Marvin R. Jackson, Balkan Economic History, 1550–1950. From Imperial Borderlands to
DevelopingNation(JointCommitteeonEasternEuropePublicationSeries,10),Bloomington
1982.
54 Vgl.Marie-JanineCalic,Geschichte Jugoslawiens im20. Jahrhundert,München2010,S. 17.
55 Vgl. auchKolm,DieAmbitionenÖsterreich-Ungarns (wieAnm.13), S. 247.
56 Kolm,DieAmbitionenÖsterreich-Ungarns (wieAnm.13), S. 251; vgl. Stoler/Cooper, Bet-
weenMetropoleandColony(wieAnm.44), S. 19.
(Post-)Kolonialismus in ,Kakanien‘ 79
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918