Seite - 108 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
eine bewusste Abgrenzung zu den Legionen darstellte. ImMilitärgeneralgou-
vernement Lublin sollten so bis zu 100.000Männer rekrutiert werden. Doch
Erfolge bliebenweitgehend aus, und als die Soldaten am9. Juli 1917 den ver-
langten Eid auf die beidenKaiser verweigerten, internierten dieMittelmächte
15.000von ihnen.28
Das vollkommene Scheitern aller Bemühungen um Soldaten aus Russisch-
PolenbrachtendieVerhandlungenmitderUkraineAnfang1918.Siesahenunter
anderemeineAbtretungderbislangpolnischenKreiseChełmundHrubieszjw
an denNachbarstaat vor, und trafen deshalb auf scharfen Protest und riefen
Streikssowie inderFolgebeinahebürgerkriegsähnlicheZuständehervor.29Das
hatteAuswirkungenbisnachWien,wodieGalizier imReichsratdieRegierung
stürzten; dieOkkupationhatte also auch indieserHinsichtAuswirkungenauf
dieHeimat.30
VondemFriedenmit derUkraine blieben zudemdie verbleibendenpolni-
schenTruppennicht unbeeinflusst. Am15.Februarmeuterten Soldatenunter
demKommando JjzefHallers. Das 7. k.u.k.-Armeekommando setzte siemit
Waffengewalt undbei elf Toten fest, währenddieAngehörigen dreierKompa-
nien, unter ihnen Haller selbst, zu den Russen durchbrachen. Die anderen
wurdenentwaffnet, dasPolnischeHilfskorpsoffiziell abgeschafft, 160Offiziere
und4.700SoldatengingeninGefangenschaft.LediglichdieTeiledespolnischen
Heeres im GeneralgouvernementWarschau, die nicht an der Front standen,
bliebenvonderAuflösungunberührt.31UnterdemKommandodespolnischen
RegentschaftsratsdientenabHerbst1918nur9.000Mann.
28 Rudolf Hecht, Heeresergänzung – Österreich-Ungarn im Ersten Weltkrieg, Wien 2010,
S. 357–366.
29 AGAD,312/460.TelegrammMGGLanAOK, 12.02.1918: „InfolgederdurchdenFriedens-
schlussmit der Ukraine geschaffenen Lage hat sich des ganzen Landes eine tiefgehende
Erregung bemächtigt, welche zu ernsten Ereignissen führen dürfte. Alle Parteien nehmen
geeintStellunggegendieMonarchie.Heutige lublinerMorgenblätterallerParteirichtungen
bringenmitUmgehungderZensur fast gleichlautendeBrandartikel gegendieMonarchie,
welcherVerrat vorgeworfenwird.DieArtikel fordern zumtätlichenWiderstandgegendie
Okkupationsregierungauf. InLublinundRadomheuteallgemeinerGeneralstreik,welcher
bezeichnenderweise von allen Parteien der Rechten arrangiert wird. Großer Demonstra-
tionszug im Gange. Sicherheitsvorkehrungen getroffen.“ AGAD, 312/460. Telegramm
MGGLanAOK,13.02.1918.Sieheauch: JarosławCabaj,Społeczen´stwogubernichełmskiej
pod okupacja˛ niemiecka˛ i austriacka˛ w latach I wojny s´wiatowej, Siedlce (Monografie.
AkademiaPodlaska, 63)2006,S. 160–183.
30 HaraldBinder,Galizien inWien.Parteien,Wahlen, FraktionenundAbgeordnete imÜber-
gangzurMassenpolitik(StudienzurGeschichtederösterreichisch-ungarischenMonarchie,
29),Wien2005,S. 500f.
31 Hecht,Heeresergänzung(wieAnm.27),S. 247.MonographischzuAuflösungderLegionen:
MateuszStaron´,LikwidacjaPolskiegoKorpusuPosiłkowegow1918roku.Losy legionistjw
po traktacie brzeskim (Komisja S´cigania Zbrodni Przeciwko Narodowi Polskiemu, 90),
Warschau2013.
StephanLehnstaedt108
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918