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Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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© 2020, V&R unipress GmbH, Göttingen ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603 Expansionwofür? Der GeneralstabÖsterreich-Ungarns hatte zwar vor 1914Überlegungen zur NiederwerfungpotentiellerGegnerangestellt,aberwieauchdasDeutscheReich verfügte er nicht über Pläne für Okkupationen geschweige denn langfristige EroberungenundErweiterungendes eigenen Imperiums.47Schondas sagt viel aus über einen gezielten ,Griff nach derWeltmacht‘ und die Konkretheit von Expansionsabsichten.ErstnachdemEinmarschindie jeweiligenGebietegabes annexionistischeIdeenvollerHybris,nichtseltenventiliertvonPrivatpersonen undVerbänden.Das galt etwa für denpolnischenFall oderdieUkraine.Diese imperialistischen Pläne hatten, wie etwa imMitteleuropa-Konzept48, vielfach einenFokusaufökonomischeAspekte.49Aber siebliebennicht realisierteVor- stellungen, und tatsächlich scheuten dieMittelmächte endgültige Regelungen überdie territorialeGestalt oderdieVerfasstheit der erobertenGebiete, selbst wenn sie gerne Versprechungenmachten. Die Proklamation des Königreichs Polen ist dafür das beste Beispiel – aber sie hatte ihreUrsache ausschließlich darin,dasssonstdiegeplanteRekrutierungvonSoldatengegendasKriegsrecht verstoßenhätte, das dies in feindlichenStaatenverbot; in einemnicht feindli- chen,weil ,neuen‘Staathingegenwardergleichenerlaubt.Dassagteinigesüber dieBedeutungdesKriegsrechtsaus,überdessen,kreative‘Auslegung,aberauch über die Ziele der Expansion: Es ging während des Kriegs stets nur umRes- sourcenmateriellerundpersonellerArt,dieErweiterungdeseigenenImperiums beziehungsweise seinesEinflussgebietswurdedagegenaufdieZeitnacheinem Friedenvertagt. Andererseits lieferte bereits imAugust 1916 der Sektionsrat Friedrich von BoschanfürdasWienerAußenministeriumeinebestechendklareAnalyseüber dasbesetztePolenab.NochanhandderVorkriegszahlenbelegteerdiegeringere landwirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes imVergleichmit der Dop- pelmonarchie und kam zu einer eindeutigen Schlussfolgerung: „Einwirklich namhafterÜberschuss,vonwelchemwiroderDeutschlandprofitierenkönnten, ist inPolennurbezüglichderKartoffelnundauchbezüglichdieserFruchtgat- tung nur in einem relativ recht eingeschränktenMaße vorhanden.“50 Er zog daraus die Schlussfolgerung, dassman bei künftigen Friedensverhandlungen 47 Vgl.Lehnstaedt, ImperialePolenpolitik indenWeltkriegen(wieAnm.8), S. 70–76. 48 AchimMüller, Zwischen Annäherung und Abgrenzung.Österreich-Ungarn und die Dis- kussionumMitteleuropa imErstenWeltkrieg,Marburg2001. 49 Siehe ganz plakativ: ArthurDix, DerWeltwirtschaftskrieg. SeineWaffen und seine Ziele, Leipzig1914,S. 39f. 50 ÖsterreichischesStaatsarchivWien,Haus-,Hof-undStaatsarchiv,Nl. Boschan/2.Materia- lien fürdieFriedensverhandlungen(Ackerbau,ViehzuchtundStaatsdomänen inRussisch- Polen), vonSektionsratDr.FriedrichvonBoschan,August1916. EinEndemitExpansion 113
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Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
Titel
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Untertitel
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
Autoren
Wolfram Dornik
Bernhard Bachinger
Stephan Lehnstaedt
Verlag
V&R unipress GmbH
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-1060-3
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
362
Schlagwörter
KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
Kategorien
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Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen