Seite - 124 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
reichischenTürkenkriegvon1735bis1739nichtgestörtwerden,obwohldieser
für dieHabsburger ungünstig verlief und zu erheblichenösterreichischenGe-
bietsverlusten auf demBalkan führte: ImFriedenvonBelgrad (1739)mussten
dieHabsburgerfastalleGebietsgewinnedesFriedensvonPassarowitz,dieStadt
Belgrad eingeschlossen, wieder aufgeben. Erst 1787 sollte es wieder zu einem
Krieg zwischenderHabsburgermonarchieunddemOsmanischenReichkom-
men.
NachdemSiebenjährigenKrieg(1756–1763)rücktedieAdrianochstärkerin
den BlickWiens: Maria Theresia (1717–1780) leitete weitere umfassende In-
frastrukturmaßnahmenindieWege,umTriest„ineinwirklichesAusfallstorder
Donaumonarchie zumMittelmeer zu verwandeln“.23 ZusammenmitMarine-
regularienund -gesetzenwurdenabden späten 1760er-JahrendieGrundlagen
sowohl fürdieösterreichischeHandels-alsauchKriegsmarinegelegt.Dabei ist
von einem umfassendenWissens- und Techniktransfer von denÖsterreichi-
schen Niederlanden nach Triest auszugehen. So wurden die beiden ersten
habsburgischenKriegsschiffe, die zumSchutz derHandelsflotte in Triest sta-
tioniertwurden,vonOstendeindieAdriaverlegt.24Inden1770er-Jahrenwurden
zurDurchsetzungderHandels-undKolonialinteressendesHabsburgerreiches
zweineueösterreichischeOstindienkompanien25geschaffen,dienunbeideihren
Sitz in Triest und nichtmehr in denÖsterreichischenNiederlanden hatten.26
Zudieser Zeit wuchs auch das InteresseWiens anMontenegro, das imun-
mittelbaren Hinterland der zu Venezianisch-Albanien gehörenden Bucht von
Kotor lag und den die Bucht überschauenden Lovc´en kontrollierte. Aber die
Entscheidungsträger in Wien misstrauten den aufgrund der dortigen Stam-
messtrukturen unübersichtlichen politischen Zuständen in Montenegro und
lehnten 1777 ihnen angebotene montenegrinische Hilfstruppen ab.27 Gleich-
zeitigbemühtensichWienundSanktPetersburgumeinenösterreichisch-rus-
sischen Interessenausgleich, der zu einem Geheimvertrag der beiden Groß-
mächte führte: Die beiden Kaiserreiche planten das Ende der osmanischen
Herrschaft in Europa und die Aufteilung der europäischen Besitzungen des
23 Robert-TarekFischer,Österreich imNahenOsten.DieGroßmachtpolitikderHabsburger-
monarchie imArabischenOrient1633–1918,Wien2006,S. 39.
24 Paul Schmalenbach,KurzeGeschichtederk.u.k.-Marine.MitAusnahmederTätigkeit auf
derDonauunddenoberitalienischenSeen (KoehlerskleineSeebücherei, 4),Herford1970,
S. 15.
25 Die Soci8t8 imp8riale asiatique de Trieste et Anvers und die Soci8t8 asiatique de Trieste.
26 Siehe zudiesenHandelskompanien: Franz vonPollack-Parnau, Eineösterreichisch-ostin-
dische Handelscompagnie, 1775–1785. Beitrag zur österreichischeWirtschaftsgeschichte
unterMariaTheresiaundJosephII(VierteljahrschriftfürSozial-undWirtschaftsgeschichte,
Beiheft 12), Stuttgart1927.
27 Barbara Jelavich, History of the Balkans, Bd.1: Eighteenth and Nineteenth Centuries,
Cambridge1983,S. 86.
HeikoBrendel124
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918