Seite - 133 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
Der Kriegseintritt Italiens im Mai 1915 auf Seiten der Entente sollte die
strategischenRahmenbedingungen imAdriaraumändern.Nunwaresderbri-
tischen und der französischenMittelmeerflotte möglich, die sogenannte ,Ot-
rantosperre‘zuerrichten,einevonKriegsschiffenbewachteMinensperre,die in
der StraßevonOtranto einenAusbruchösterreichisch-ungarischer Schiffe aus
derAdria insoffeneMittelmeer verhindern sollte.Die großeDistanz zwischen
demHauptkriegshafen der k.u.k.-Kriegsmarine in Pula und der Straße von
Otrantomachten die durch den Lovc´en nachwie vor nur beschränktenNut-
zungsmöglichkeiten desKriegshafens in der Bucht vonKotor – der fürÜber-
raschungsangriffe auf die Otrantosperre deutlich günstiger lag – für die See-
kriegsführungderHabsburgermonarchiezueinemProblem.WennÖsterreich-
UngarnseinensüdlichstenKriegshafenvollumfänglichnutzenwollte,musstees,
dies hatten die Ereignisse im August und Oktober 1914 gezeigt, den Lovc´en
kontrollieren – und dies wiederumwar, in Anbetracht der Bündniskonstella-
tionen, nur durch die militärische UnterwerfungMontenegrosmöglich. Eine
VerhandlungslösungwarEnde1915schlichtnichtvorstellbar.Gleichzeitighatte
Italiendamitbegonnen, seinenbereits seitOktober1914 imalbanischenVlora
bestehenden Brückenkopf genNorden ausweiten. Eine italienische Armee im
NordenAlbanienswurde vomk.u.k.-Armeeoberkommando als unmittelbare
BedrohungÖsterreich-Ungarns betrachtet, könnte ein entschlossener italieni-
scherVorstoß auf den Süden desKönigreichsDalmatien – und damit die ex-
ponierteBuchtvonKotor–mitdendortzurVerfügungstehendenKräftendoch
kaumaufgehaltenwerden.EinpaarTausendMontenegrinernwares1914nicht
gelungen, die Bucht von Kotor ernsthaft zu bedrohen. Dem 100.000 Mann
starken italienischen Expeditionskorps inAlbanienwurdemehr zugetraut als
der deutlich kleineren und schlecht ausgerüsteten Armee des Königreichs
Montenegro.
So setzte sich Conrad über die deutschen Bedenken hinweg und ließ die
österreichisch-ungarische EroberungMontenegros und imAnschluss denwie-
teren Vorstoß gegen die Italiener in Albanien vorbereiten. Der österreichisch-
ungarischeHauptangriffgegenMontenegrosollte–mittenimWinter1916–über
die auch bei anerkannten militärischen Fachleuten als nahezu uneinnehmbar
geltenden Lovc´enstellungen geführt werden,57 da dort nur relativ schwache
montenegrinische Verbände standen. Gleichzeitig rückten österreichisch-unga-
rischeStreitkräftevonOstennachMontenegrovor.DiemontenegrinischeArmee
kapitulierte,KönigNikolausI. flohüberdieAdrianach Italien.Aufmontenegri-
nischemBodenbegannenFriedensverhandlungenmit einermontenegrinischen
57 Peter Enne,Dieösterreichisch-ungarischeOffensive gegenMontenegro 1916unter beson-
derer Berücksichtigung der Operation über den Lovc´en und des Zusammenbruchs der
montenegrinischenArmee,Wien2008,S. 164.
DerDrangnachSüden 133
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918