Seite - 165 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
streckenerhieltendiemitteleuropäische Spurweite (1435mm).Zuvorhatten–
abgesehenvonder LinieWarschau-Wien– alleübrigenGleisverbindungen im
Königreich Breitspurgleise (1524mm) besessen, genauso wie in Russland.30
Anstelleder russischenMaßewurdedasmetrischeSystemeingeführt.
Das kulturelle und politische Leben unter der Besatzung näherte sich dem
galizischen beziehungsweise dem österreichischen Modell an, und teilweise
wurde Lublin bereits ,Klein-Wien‘ genannt.31 ImTheaterrepertoire, aber auch
bei denVeröffentlichungen,wurden trotzZensur Inhalte zugelassen, die unter
russischer Verwaltung verboten gewesenwaren und die polnische Geschichte
undTraditionoder sogar die nationalenBefreiungskämpfe betrafen.32DieBe-
satzungsbehördengestattetenöffentliche, festlicheKundgebungenzuwichtigen
JahrestagenderpolnischenGeschichte,etwaderVerfassungvom3.Mai1791,zu
denAufständenoderdemhundertstenGeburtstagvonTadeuszKos´ciuszko;an
einigendieserFeierlichkeitennahmenVertreterderMilitärverwaltung teil.33
DasVerhältnisderneuenHerrscher zudenEinwohnerndes
besetztenGebiets
DasVerhältnis der Besatzungsbehörden zur Bevölkerung des besetzten Terri-
toriumsveränderte sich inZeitundRaum,wasausdembereits genanntenHin
undHer der vonWien und dem ab 1916 in Baden stationierten Armeeober-
kommandobetriebenenPolenpolitik resultierte.Die einzigeKonstantewardie
wirtschaftlicheAusbeutung–etwavonArbeitskräften–deserobertenGebiets,
obwohl erneut verschiedeneMethoden zur Anwendung kamen, von Straßen-
razzienüberZivilarbeiter-Abteilungenbis hin zur freiwilligenAnwerbung zur
Arbeit in der Donaumonarchie.34Brutale Stärke, deren Folge Todesopfer und
Verhaftungenwaren,wurdebeiderBeschlagnahmevonLebensmittelnundder
Niederschlagung von Aufruhr nach dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk
angewendet, obschondamals auchdieMethode ,ZuckerbrotundPeitsche‘ ver-
wendetwurde.DieräumlicheDifferenzierungbestanddarin,dassangesichtsder
geringen Kompetenzen des Generalgouvernements die einzelnen Kreiskom-
mandanten eine relativ eigenständigePolitikbetreibenkonnten; Polen stellten
unterihnennureinenkleinenProzentsatz.InsgesamtwurdedasbesetzteGebiet
30 Bis Anfang 1918 bauten die Besatzungsbehörden 249km Bahnen mit Normalspur und
314kmmitSchmalspur:Hausner,DiePolenpolitik (wieAnm.6), S. 362.
31 MariaDa˛browska,Dzienniki1914–1965,Bd.1, 1914–1925,Warschau2009,S. 68.
32 StefanKruk, Z˙ycie teatralnewLublinie1872–1918,Lublin1982.
33 Hupka, Z czasjwWielkiej Wojny (wie Anm.13), S. 59; Mieczysław Ryba, S´rodowiska i
ugrupowaniapolitycznenaLubelszczyz´nie1914–1918,Lublin2007,S. 103.
34 Lewandowski,Krjlestwopolskiepodokupacja˛ (wieAnm.3), S. 60, 90–93.
DasMilitärgeneralgouvernementLublin imErstenWeltkrieg 165
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918