Seite - 169 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
ÖsterreichsAnsehendortvollständigzusammengebrochenist.DieÖsterreicher
sindsoblamiertundniemandgibtmehreinenPfifferlingaufsie.Vondenbeiden
ÜbelnbeginntmanimKönigreichdiePreußenvorzuziehen.“45Auchdiespätere
Polenpolitik stieß auf dasMisstrauender politischenElitenwie auchbreiterer
gesellschaftlicherKreise,dadieBesatzungsverwaltungihrebisherigenVorrechte
behielt.
Schlussfolgerungen
Einek.u.k.-Militärverwaltunggab es sowohl imSüdendesKönigreichsPolen
als auch anderswo. Doch die politische Lage imMilitärgeneralgouvernement
Lublinunterschied sichgrundsätzlichvondenBalkan-Territorien. Serbenund
MontenegrinerbesaßeneigeneStaatenundihreStreitkräftekämpftengegendie
ArmeenÖsterreich-Ungarns.Wenndie Einwohner des südlichenKönigreichs
Polengegendiek.u.k.-Armeekämpften,dannindenUniformeneineranderen
Teilungsmacht–Russlands.DieNiederlagedesZarentumsbedeutetedieChance
auf zumindest teilweiseVerwirklichung der polnischennationalenBestrebun-
gen, sowiedies zuvor inGalizienderFall gewesenwar.DieseHoffnungenund
Sympathien gegenüberder k.u.k.-MonarchiewarenvordemKrieg unter den
BildungsschichtenundPolitikerndesKönigreichsverbreitetgewesen.Schondie
erstenKriegsmonatebedeuteteneinetiefeEnttäuschung,denninderPolitikder
österreichisch-ungarischen Behörden im besetzten Gebiet oder vielmehr im
Königreich Polen überwogen kurzfristige Ziele, vor allem derWunsch nach
wirtschaftlicher Ausbeutung des feindlichen Landes. Auf der politischen und
kulturellenEbeneberücksichtigtendieBesatzungsbehördeningrößeremMaße
alsdieRussendienationalenBestrebungenderPolen,dochnichtsosehr,wiees
sichderenElitenoderauchdieimmernationalbewussterenbreiterenKreiseder
Gesellschaft erhoffthatten. Je längerderKriegdauerte,desto stärkerwarendie
Unabhängigkeitsbestrebungen, weshalb die k.u.k.-Monarchie wie eine Tei-
lungsmacht behandelt wurde. Die Reste von Sympathien und Erwartungen
machteder Friedensvertrag vonBrest-Litowsk zunichte.Kundgebungengegen
dieBesatzernachdemAbschlussdiesesAbkommensdemonstriertendieStärke
der polnischennationalenBestrebungen sowie zugleich die Schwäche des Be-
satzungsapparatsundseinerGrundlage,derk.u.k.-Armee.
Die Polenpolitik derDonaumonarchie, die vomLubliner k.u.k.-Militärge-
neralgouvernement inPolenumgesetztwurde, bestandeinerseits in einerwei-
terenVerschlechterung der Existenzbedingungen für eine Bevölkerungsmehr-
heit imbesetztenGebiet, andererseits warendie Bedingungen des politischen
45 Hupka,ZczasjwWielkiejWojny(wieAnm.13), S. 216.
DasMilitärgeneralgouvernementLublin imErstenWeltkrieg 169
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918