Seite - 182 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
Kolonialkrieges, auchwennausSichtdesHistorikers starkeElementehybrider
Kriegführung53 sowievon ,Stabilisierungsoperationen‘ (z.B.Entwaffnung,Ein-
satz lokaler Sicherheitskräfte etc.) bemerkbar waren.Wennman in Feldpost-
briefenaufAussagenwiedie folgende stößt: „Wir führeneinenKrieg,woman
auf Gnade nicht hoffen darf; wir finden keinen Pardon, geben aber auch kei-
nen“,54 ist dies sicherlich dempersönlichen Erleben des Feldzugsteilnehmers
geschuldet und sollte nicht zwangsläufig in direktemKonnexmit dem strate-
gischenGesamtzielderUnternehmunggesehenwerden;andererseitsfindensich
aberauchimmerwiederWortmeldungen,diedaraufhindeuten,dassRaumund
Bevölkerung Bosnien-Herzegowinas in puncto Zivilisation oder Kriegsrecht
zumindest als Grauzone wahrgenommenwurden. Stellvertretend sei hier ein
weiterer Feldpostbrief genannt, in dem es heißt: „So viel ist gewiß, daß ein
roheres,entmenschteresVolk,alsdiehiesigenTürken,kaumdenkbarist.Dasist
wahr, kämpfen undmuthig, ohne Furcht zu sterben wissen sie, die übrigen
Bosniaken aber sind ein hinterlistiges Gesindel. Doch der Schrecken und der
Zorn, welcher uns Alle überkam, als wirmit jedemneuen Tage erfuhren, auf
welch’ unbegreiflichwilde Art die Türkenmit unseren gefallenen Leidensge-
nossen, besonders abermit unserenVerwundeten […]verfuhren,mag als Er-
klärung fürdieGefühledienen,welcheuns jetzt erfüllen.“55
Für die Etablierung der amerikanischenHerrschaft auf den Philippinen ist
festzustellen, dass die Aufgabe der ,Zivilisierung‘ (im Sinne der „Bürde des
weißen Mannes“56) für die protestantischen Führungsschichten der USA si-
cherlicheinegewisseBedeutunghatte.EinVernichtungskrieg,wie ihnetwadas
DeutscheReichpraktischzeitgleichinSüdwestafrikaführte,passte–sozynisch
das angesichtsHunderttausender toter Filipinos klingenmag–nicht indieses
Konzept.SenatorKnuteNelsonausMinnesotananntealsgrößtenSegenderUS-
amerikanischen Besetzung des philippinischenArchipels nicht Infrastruktur-
projekteodergerechtereGesetze,sonderndieTatsache,dassmandie ,Rebellion
Aguinaldos‘niedergeworfenundsomitdieFilipinosvorderTyranneieinesihrer
Landsleute bewahrt hätte.57 Theodore Roosevelt sprach der Bevölkerung der
53 Ichbeziehemichhier auf einemoderneDefinitionvonhybriderKriegführungbei John J.
McCuen,HybridWars, in:MilitaryReviewMarch/April 2008, S. 107–113.McCuendeutet
den hybriden Krieg hier als Kombination konventioneller und asymmetrischer Vorge-
hensweisenmit demHauptziel, einGebietmilitärisch zu sichern, zu stabilisierenunddie
UnterstützungderEinwohnerschaft zugewinnen.
54 InnsbruckerNachrichten204(06.09.1878), S. 5.
55 LinzerVolksblatt 195 (25.08.1878), S. 2.
56 DerBegriffbeziehtsichaufdas1899vonRudyardKiplingverfassteGedichtTheWhiteMan’s
Burden, in dem die ,Zivilisierung‘ angeblich rückständiger Ethnien als schwierige, aber
notwendigeAufgabederangelsächsischenKulturendargestelltwurde.
57 NorbertoBarreto, ImperialThoughts.TheUSCongressandthePhilippineQuestion,1898–
1934,StonyBrook2007,S. 208f.
MartinGabriel182
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918