Seite - 197 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
(nebenPosen auchWest- undOstpreußen)mitsamt demdortigenpolnischen
Bevölkerungsteil in das prospektierte Reichsgebiet einbezogen. Neben diesen
grundsätzlichnachvollziehbarenSchritt tratenallerdings, angefachtdurchden
moralisierendenund ,altruistischen‘CharakterderDebatte auf Seitender ,Po-
lenfreunde‘, Argumente kultureller beziehungsweise teils auch ,rassischer‘
Überlegenheit, die einen deutschen Führungsanspruch rechtfertigen sollten.13
Dies konnte im Nachhinein als erstes Aufleuchten eines Standpunktes der
späteren Alldeutschen erscheinen; durch das Scheitern der Revolution in
Deutschlandund imübrigenEuropablieb jedochnochder inBerlinundWien
beheimatetedynastisch-etatistischeRegierungsstil bestimmend.
Zwar blieb die politische Ordnung Mitteleuropas vorläufig unverändert,
indemderDeutsche Bundestag 1850 seineArbeit unter österreichischer Füh-
rungwiederaufnahm.DieFragederdeutschenEinheitunddamitdiejenigenach
kleindeutscher oder großdeutscher Lösung bestand jedochweiter und entwi-
ckeltesich–wasderSacheerst ihreeigentlicherealpolitischeDynamikverlieh–
neben der öffentlichen Sphäre auch innerhalb der intergouvernementalen Be-
ziehungen.Nebendie reinemachtpolitischeRivalität trat dabei dieAuseinan-
dersetzung einesdurch „ein In-undMiteinander althergebrachterOrdnungen
und Autoritätskreise“ gekennzeichneten „konservativ-katholizistische[n; sic]
,österreichische[n] Prinzip[s]‘“ mit einem sozusagen moderneren „preußi-
sche[n], straff zentralistische[n]“.14 Nach vielfältigen auf Gleichberechtigung
zielendenundkeineswegs inhärentösterreichfeindlichenAnsätzenderBerliner
PolitikentschlosssichschließlichBismarck,diekonservativeAllianzdesOstens
innicht risikoloserWeise für seineZweckeumzufunktionierenundals ,weißer
Revolutionär‘ die staatlichenMachtmittel Preußensmit der Energie der bür-
gerlichenNationalbewegungzuverbinden.Dabei leitetenihnvielfältigeMotive,
amwenigstenjedoch–dies istungeachtetmancherambivalentenInhalteseiner
späterenRhetorik festzuhalten–alsvölkischzubezeichnendeGedanken.Auch
imvirtuosenUmgangmitderdynamischenKraftdesbürgerlichenNationalis-
mus undder Entschlossenheit zu eventuellemmilitärischemHandeln blieb er
selbst ein Mann des aristokratischen Arrangements und ein konservativer
Mitteleuropäer.UnverkennbarwarderErhaltÖsterreichsalseuropäischeMacht
in ehernochgrößeremMaße seinZiel als dessenAusschluss ausDeutschland.
13 Vgl.Niklas Lenhard-Schramm,KonstrukteurederNation.Geschichtsprofessoren als poli-
tischeAkteure inVormärzundRevolution1848/49,Münster2014,S. 246–258.
14 ThomasBrechenmacher, „Österreich steht außerDeutschland, aber es gehört zuDeutsch-
land“.AspektederBewertungdesFaktorsÖsterreich inderdeutschenHistoriographie, in:
Gehler/Schmidt/Brandt/Steininger (Hg.), Ungleiche Partner? (wie Anm.6), S. 31–53, hier
S. 36.
Mitodergegenden ,Pangermanismus‘ 197
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918