Seite - 216 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
tenheit–einstimmigdasGemäldealseinederbedeutendstenProduktionenimGebiete
dermodernenHistorienmalereianerkanntunddamitnurdieWahrheitgesprochen.“12
Fernerwird aus anderenRezensionenüberdasGemälde ersichtlich, dass sich
viele österreichische Rezipientenmit den dargestellten Personen inMatejkos
Gemälde identifizieren,obwohl es für sie einwenigbekanntesThemadarstellt.
Beispielsweise ist inZellner’sBlätter fürTheater,MusikundBildendeKunstzu
lesen:
„Abgesehen von aller politischenTheilnahme, die jedenVaterlandsfreund beimAn-
blickeeinesVorganges,dereineinstmächtigesReichmiteinemFederzugevernichtete,
ergreifenmuß,gibtdasBildvomreinmalerischenStandpunktedurchdieindemselben
vorzugsweisezuTage tretendenphysiognomischenFeinheiten,durchdieWärmeund
LebendigkeitdesAusdrucks,mitwelchemdie stürmischenLeidenschaftenderVater-
landsliebe abwechselndmit der grellsten Niederträchtigkeit eines feilen politischen
Gleichmuths dargestellt sind, dem Beschauer Anhaltspunkte genug, um nicht nur
dessenInteressewachzurufen,sondernvielleichtsogardessenPulse,wennerauchkein
Poleist,höhergehenzumachen.Unddaringlaubenwir, istderHauptwerthdesBildes,
sowiedessenunwiderstehlicherReizzusuchen.“13
Dieses Phänomen des Mitfühlens mit dem polnischen Helden auf Matejkos
Gemälde ist folglich den handwerklichen Fähigkeiten desKünstlers in der Fi-
gurengestaltungzuverdanken, inderjededargestelltePersonalseigenständiges
Porträt zu verstehen ist. So summiert Robert Zimmermann in seinen Ausle-
gungenzuMatejkosReichstagzuWarschau1773, dieam10. Januar1868 inder
NeuenFreienPresseerschienensind:
„Die ungewöhnliche Gabe physiognomischer Charakterstil und die ungeachtet des
auffällig ins Schwarze fallendenColorits bewunderungswürdige Bravour der techni-
schenMache,welchedasvorstehendeBildwieseineVorgängerzurSchaustellt,machen
denSchöpferdiesesWerkeszueinemTalenterstenRanges.“14
ZimmermannverstehtMatejko demnach als herausragendenPorträtisten, der
einzelne Bildnisse zu einem Historiengemälde zusammenfügt. Mit Hilfe der
ausdrucksvollenKöpfe,worinderBetrachteraufeinenBlickdenCharakterder
Figur ablesen kann, erzeugtMatejkoEmpathie und erleichtert damit demRe-
zipienten, sichmitderhistorischenSzenezuidentifizieren.Diesekünstlerische
BesonderheitdesMalerswirdoffenkundigvonderWienerKunstgesellschaft im
Jahre1868erkanntundgeschätzt,diesmehralsbeidenKrakauerKritikern,da
sienichtvomdargestelltenThemaabgelenkt sind.
12 RichardDelphin,Matejko’sReichstagzuWarschauvomJahre1773, in:Zwischen-Akt.Organ
fürTheater,KunstundMusik30(31.01.1868), S. 3.
13 Zellner’sBlätter fürTheater,MusikundbildendeKunst5 (1868), S. 1.
14 Robert Zimmermann,Matejko’sReichstag zuWarschau 1773, in: Neue Freie Presse 1207
(09.01.1868), S. 2.
KatharinaUteMann216
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918