Seite - 229 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
der, wie abgesprochen, die Dankbarkeit des Künstlers über diese Ehrung auf
Französisch zumAusdruckbringt.DerKaiser erkundigt sich erneutüberMa-
tejkosBefindenundals ihmderSekretärantwortet,dassersehrleide,sollFranz
Josef I. gesagt haben: „DerHerrGott gibt’s, eswird ihmbesser gehen.“58Zum
AbschlussäußertderKaiser,dassersichdarüberfreue,mitdemOrdenMatejko
eineFreudegemachtzuhaben,unddamit istdieAudienzbeendet.Beidetreffen
sichzeitlebensnichtmehr.
Matejko stirbt am 1.November 1893. Viele Wiener Zeitungen berichten
darüber. Exemplarisch soll hier dieNeue Freie Presse verkürzt zitiert werden:
„MitMatejko verliert die Gegenwart einen der bedeutendsten Geschichtsmaler; ein
glühender Patriot, kannte er die Geschichte seines Vaterlandes wieWenige und hat
wichtigeGeschehnisseausderselbenmitergreifenderWahrheitundaugenerfreuender
Farbenpracht dargestellt. Er war einer der prägnantesten Charakteristiker aller Zei-
ten“.59
Matejkos ,glühender‘ Patriotismus zeigt sich dabei vor allem in ,antiimperia-
listischen‘Gemälden,worinderKünstlerdiek.u.k.-Monarchie zwarnichtöf-
fentlich brüskiert, aber die historische Gleichwertigkeit zwischenÖsterreich
undPolenbetont. Folglichdienen ihmdieAusstellungen inWiendazu, neben
derDarlegung seinesKönnens auchPolens Bedeutung für dieGeschichte Eu-
ropas hervorzuheben, was insbesondere die Präsentation seines Gemäldes
Sobieski bei Wien in der Hauptstadt deutlich macht. Matejkos Unsicherheit
darüber,obdasGemäldehierakzeptiertwird,belegt,dassderKünstlersichder
Kontroversenbewusst ist, die seinBild hervorrufenkann.Dennoch ist esMa-
tejkowichtig, dieWienermit seinemmonumentalenWerkdaran zu erinnern,
welcheNation ihnen inZeitenderNotbeistand.
ImGegenzugzeigtauchMatejko,obwohlersichalsVerfechterdesPolentums
versteht, seinepersönlicheVerbundenheit zuFranz Josef I.,was seinVerhalten
währendder Begegnungenmit dem österreichischenKaiser belegt.Ähnliches
lässt sichauchfürdieBewohnerderHauptstadterkennen,woerbeispielsweise
einekleineVersionseinesGemäldesSobieskibeiWien„derStadtWiengespendet
[hat],mit derBestimmung, dass der hierfür erzielteKaufpreis denhinterblie-
benenWaisenderOpferdesRingtheater-Brandeszuwidmenist.“60DerKünstler
reflektiertdamitdieZuneigung,dieihmundseinerKunsthierentgegengebracht
wird.Gorzkowskibetont inseinenErinnerungen,wiegerührtMatejkoüberden
Respekt gewesen ist,61 der ihn inWien überwältigt und den ermanchmal in
Galizienvermisst.
58 Gorzkowski, JanMatejko(wieAnm.9), S. 354.
59 NeueFreiePresse10488(02.11.1893), S. 1.
60 AllgemeineKunst-Chronik6(1888),Nr. 13, S. 21.
61 Gorzkowski, JanMatejko(wieAnm.9), S. 353.
DerpolnischeHistorienmaler JanMatejkoundderösterreichischeKaiser 229
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918