Seite - 248 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
Bild der Seite - 248 -
Text der Seite - 248 -
© 2020, V&R unipress GmbH, Göttingen
ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
1875vonderFunktionalsKommunikationsmittel zwischenWienunddenan-
deren, als „Provinzen“ bezeichneten Regionen der Monarchie geleitet. Dies
drückte sich etwa darin aus, dass die Redaktion desOrgans befürchtete, dass
„unserOrganmehreineWienerMusikerzeitungalseineösterreichische“bleibe,
wennsichKollegeninder„Provinz“nichthäufigerzuWortmeldeten.69Diesgalt
20 Jahre später unverändert. Noch 1894 hob die Redaktion die Funktion der
ZeitungalsinterregionalesKommunikationsmediumhervor, indemsiebetonte,
dass „[w]ir durch unser Organ eine lebendige Verbindung und ein einfaches
Verständigungsmittel mit den Collegen in der Provinz haben“.70 „Verständi-
gung“, dasmeinte vor allem(arbeitsrechtliche)Agitation.DieZeitung sei „ein
Kampforgan und eineMusikerzeitung, aber keineMusikzeitung“, so der ver-
antwortlicheRedakteur1895.71DochmitdemAusbauzumVerbandstiegenauch
die Ansprüche an dessen Presseorgan seitens der einzelnenVerbandsvereine,
zumalfüralleVereinsmitgliedereineAbonnementspflichtbestand.72Undgenau
diese solltebalddenAnlass für folgenschwereDebatten liefern:DieGeschichte
vonMusikerbundundMusikerverband, sowird daran ersichtlich, ist nicht zu
trennenvonderGeschichte derMusikerzeitung, als demMediumderOrgani-
sation, das zusehends umstrittener wurde, je sprachlich diverser derenMit-
gliederstrukturwurde.
Bereits anlässlichder „Constituirung“desOesterreichisch-UngarischenMu-
siker-Verbandes imNovember 1895nahmdieFrageder Sprache innerhalbder
Organisation, vor allem aber die Sprache des Verbandsorgans einen breiten
Raum ein. Dabei zeigte der Verbandspräsident, JohannMörth, durchaus ein
Bewusstsein für sprachlicheSensibilität.DieAngelegenheit sei „durchdie ver-
schiedenenSpracheninOesterreicheinesehrschwerzu lösende“,daaber„alle
Sprachen das gleiche Recht besitzen“, könne die Zeitung auf Dauer „nicht
deutschallein“erscheinen.73MörthäußertedieseEinsichtvordemHintergrund
desUmstands, dassunmittelbarnachderGründungdesVerbandesEnde1895
dessenLeitunggezieltum„czechischeCollegen“warb.ZudiesemZweckließsie
69 OeMZ5(01.07.1875), S. 4.Hervorhebung imOriginal.
70 OeMZII/1 (01.01.1894), S. 1.
71 OeMZIII/24 (16.12.1895), S. 123.
72 DerKreis der Leser/-innenbeschränkte sichdabei nicht nur aufVereinsmitglieder; schon
Ende1875warbdieRedaktionumAnnonceninderMusikerzeitungmitdemArgument,dass
diese„außerinWienbereitsinmehrals60StädtenundOrtenOesterreich-Ungarns,sowiein
Deutschland,Rußland,Schweden,EnglandundItalien“Abonnentenzähle,OeMZ12(16.10.
1875), S. 8. DieAnliegen derMusikervereine bzw. desMusikerverbandes erschlossen sich
durchdieMusikerzeitungsomitpotentiell einemungleichgrößerenPersonenkreis, alsdies
durch ein bloßVereins- undVerbandsmitgliedern zugänglichesMediumder Fall gewesen
wäre.AufweiteremedienhistorischeAspektedesVereins-bzw.Verbandsorgansgeheichhier
–sowichtigdiesewären–nichtnäherein.
73 OeMZIII/24 (16.12.1895), S. 122.
FritzTrümpi248
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918