Seite - 268 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
auch zu diesem Aspekt, die er vor allem entlang des Hetmansdammes und
umliegenderStraßenzügedieser ,neuenMitte‘ realisierenkonnte.Darüberhin-
auswarendieRegulierung–unddamit verbunden–dieAssanierungweiterer
Stadtteile ein stets geäußertes kommunalpolitisches Postulat in Bezug auf die
Stadtplanung, die vor allem aus finanziellenGründen nur zu einem gewissen
Grade erreichtwurden.Grundsätzlichumfasste dieVisiondes „schönenLem-
bergs“ auchdieVerbesserungder sozialenLageundder teilweiseunhaltbaren
Lebensbedingungen. Hinsichtlich aller Maßnahmen der wachsenden städti-
schen Leistungsverwaltung orientierte sich der Stadtrat an Lösungen anderer
Städte und schickte hierzumit Fachleuten und spezialisierten Ratsherrn be-
schickteDelegationen zwar auch nachWien, vor allem aber in die Städte des
DeutschenReiches,derenstädtischeInfrastrukturenumdieJahrhundertwende
europaweitalsvorbildlichbetrachtetwurden.WichtigeZielewarendaherimmer
wieder Dresden, Leipzig und Berlin. Die einschlägigen Ausstellungenwie die
Dresdner Städteausstellung 1903 wurden besucht.38 Es ging hierbei immer
darumherauszufinden,welchesdiebesteLösungfürdas jeweiligeProblemwar,
wobei dieMaßnahmen ebennicht einfach kopiert, sondern andie Lemberger
Verhältnisse adaptiert wurden. Das „schöne Lemberg“ wurde schließlich zu
einem Leistungsziel undModernisierungsversprechen des Stadtrates und zu-
gleich zu einerAneignungs- undLegitimationsstrategie durchdie kommunal-
politischen polnischen Eliten, indem sie immer wieder klarmachten, dass die
StadtentwicklungnurwegenderkommunalenAutonomieunddamitwegender
Leistungendes (polnischen) Stadtrates, erreichtwerdenkonnte undweiterhin
werden könne. Dieses Modernisierungs- und Stadtentwicklungsprogramm
entwarf somit eine grundlegendeVisioneinermodernen, aberdennochnatio-
nal-traditionsbewusstenStadt.WesentlichesZielwaresdaher,Lembergzueiner
„großstädtischen Bedeutung“ zu führen, und als „natürlicheMetropole“ von
industrieller, kommerzieller, wissenschaftlicher und (polnisch-)nationaler Be-
deutungauszubauen.39 InsgesamtgingesdenAkteurennichtdarum,Lemberg
alshabsburgische, sondernalspolnischeMetropole zuentwickelnundzuprä-
sentieren.
38 HierzuwurdebeispielsweiseeineDelegationmitdemstädtischenPhysikus,demBauamts-
leiter, demstädtischenSchulinspektor undRatsherrn zusammengestellt und3000Kronen
bereitgestellt, vgl.GazetaLwowska197 (29.08.1903), S. 4f.; vgl. etwaauchhinsichtlichdes
städtischen Volksschulwesens: Kazimierz Bruchnalski, Szkolnictwo Ludowe naWystawie
NiemieckichMiast wDrez´nie w r. 1903 [Das Volksschulwesen auf der Deutschen Städte-
ausstellung inDresden1903], in:DerzˇavnyjArchivL’vivs’ko"Oblasti, f. 3, op.1, spr. 4898,
Bl. 1–16.
39 Zitate:ZakładNarodowy imieniaOssolin´skich,PapieryRutowskiego,13405/III,Bl. 72;vgl.
SprawozdaniewydziałuTowarzystwadlaUpie˛kszeniamiastaLwowa iOkolicy za rok1911
[BerichtderGesellschaft fürdieVerschönerungderStadtLembergundUmgebung fürdas
Jahr1911],Lemberg1912,S. 14. EszterGantner
/HeidiHein-Kircher268
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918