Seite - 272 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
lung–dieerste ihresFormats–warsehrgutbesucht.49DiegrößtenSensationen
lieferte die elektrotechnische Industrie: Der mit elektrischen Lampen ausge-
leuchtete Stef#nia-Ring unddie technologischenNeuigkeiten derGanz-Werke
standen imMittelpunkt des öffentlichen Interesses. Diese Schau von neuen
wissenschaftlich-technischenEntwicklungenwurdeauchvondenZeitgenossen
alseinRaumfür,Wissensaufnahme‘betrachtet,wasetwaderjährlicheKalender
derRegierungsparteiausdemJahre1885anmerkte:„EinesderHauptzieledieser
Ausstellung ist, dass das Handwerk des Landes die Erzeugnisse der fortge-
schrittensten Standorte seiner Zunft kennenlerne und dadurch industrielles
Fachwissen undGeschmack landesweit verbreitet werde.“50DasZitat erwähnt
damit eine weitere Funktion der Ausstellung undmacht gleichzeitig klar, in-
wieweit sichdieBudapester Landesausstellung vondenanderen europäischen
oder sogar amerikanischen Gewerbeausstellungen unterschied. Während die
ersten großen Gewerbeausstellungen in Paris und London oder in Berlin vor
allem denWettbewerb zwischen denAusstellern fördern und gleichzeitig die
nationalen oder eben imperialen Leistungen präsentierenwollten, trat in den
Gewerbeausstellungender emerging cities auchderWunschdes ,Lernens‘, des
Transfersvon(Fach-)WissenindenVordergrund.NichtnurdasHandwerksollte
von der Industrie neue Techniken lernen, sondern ebenso die heimischen
Aussteller von den ausländischen. Aus diesemGrund entschied sich dasAus-
stellungskomiteewährendderVorbereitungderLandesausstellungdafür,dieals
national konzipierte Ausstellung für interessierte ausländische Aussteller zu
öffnen. Damit verwirklichte die Landesausstellung eine komplexe Vermitt-
lungsfunktion: Best practices und Fachwissen wurden für das Publikum zu-
gänglichgemachtundderAustauschzwischendenAusstellernermöglicht.Der
Industriepalast selbst realisierte diese verschiedenen Ebenen des Transfers in
einer noch kompakteren, ,materiellen‘ Form, nämlichmit seiner neuartigen,
aber denMöglichkeiten der Stadt angepasstenArchitektur unddurchdie Zu-
sammenarbeit der internationalen Akteure in den Phasen der Planung und
späterderRealisierungdesGebäudes.
Damit lässt sich sowohl imFalle des Industriepalasts als auch der Landes-
ausstellung feststellen, dass es sichhier nicht nur umdie unreflektierteÜber-
nahme von in anderen europäischen Städten bewährten Modellen handelte,
sondernumdiebewussteAnpassungundOptimierungdes jeweiligenModells,
durch die die nationale Leistungsfähigkeit undModernität gleichermaßen de-
monstriertwerdensollten.Dahinter verbarg sicheinebewusstenationaleStra-
49 V#mos Pva Katalin, Iparki#ll&t#sokMagyarorsz#gon a XIX. sz#zadm#sodik fel8ben [Ge-
werbeausstellungen inUngarn inder zweitenHälftedesXIX. Jahrhunderts], in:Technika-
tört8neti Szemle1–2 (1963), S. 193–206,hierS. 198–199.
50 Szabadelvu˝ P#rti Napt#r az 1885. 8vre [Kalender der Liberalen Partei für das Jahr 1885],
Budapest1885,S. 125. EszterGantner
/HeidiHein-Kircher272
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918