Seite - 296 - in Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen - Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
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ISBN Print: 9783847110606 – ISBN E-Lib: 9783737010603
ständnis, das aber für die kroatischsprachige Bevölkerung einenVersuch von
,Magyarisierung‘ undSäkularisierung– sprich: einenationalpolitischeGefahr
fürdaskatholische,Kroatentum‘–bedeutete.AnhanddieserDebattenlässtsich
insofern erforschen, warum sich die italienischeNationalität inUngarn eines
gewissenSonderstatuserfreuendurftebeziehungsweisewieundwarumgenuin
kirchenpolitische Themen nationalpolitisch aufgewertet und umkontextuali-
siertwerdenkonnten.
Fiume/Rijeka:UngarischeHafenstadtmiteiner
italienischsprachigenElite
Nach dem österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 (osztr#k-magyar
kiegyez8s)erhieltdiemagyarischeEliteindereinenReichshälftedieMöglichkeit
unddieChance,einenungarischenNationalstaatzubauen.4WährendWiendem
supranationalen Imperiumsgedanken treu blieb undkeinemVolk eine verfas-
sungsrechtlichverankerteHegemonie gewährte,wardieungarischeNationals
die einzige politische Nation der ungarischen Reichshälfte konzipiert: Die
Nationalitäten hatten zwar weitgehende Rechte im Sprachgebrauch oder im
Schulwesen, aber siewurdenpolitisch als Teile der einenundunteilbarenun-
garischenNationwahrgenommen.NachdemdiesesungarischeNationskonzept,
dasmit dem französischenvieleÄhnlichkeiten aufwies, auf der symbolischen
und geschichtspolitischen Ebene, etwa umdas 1896 gefeierte, tausendjährige
Jubiläumderangeblichen,Landnahme‘durchdiemagyarischenStämme,immer
mehrethnisch (d.h.magyarisch) formuliertwordenwar,5 zeigten sichdie gra-
vierendenUnterschiede zwischenderÖffentlichkeitÖsterreichsundUngarns.
DaspolitischeLebenwurdeinUngarnbiszumEndederHabsburgermonarchie
von einermeistens kalvinistisch-reformierten,magyarischstämmigen Schicht,
der Gentry, dominiert und blockiert. Die Nationalitäten der ungarischen
Reichshälftewaren also – imGegensatz zudenNationalitäten derösterreichi-
schen Reichshälfte – in der politischenÖffentlichkeit weit unter ihrem pro-
zentuellenAnteil anderBevölkerungvertreten.
Diemehrheitlich italienisch bewohnte Stadt Fiume/Rijeka genoss aber eine
spezielleBehandlunginderungarischenReichshälfte.Die ,Magyarisierung‘der
Stadt–zumindest inderuntersuchtenPeriode–wurde(noch)nichtangestrebt,
4 Judson,L’Autriche-Hongrie8tait-elleunempire? (wieAnm.2), S. 580.
5 DieEthnisierungerfolgtejedenfallsaufderlokalenEbeneunterschiedlich,jenachdem,obdie
lokale Mehrheitsnationalität die ungarische Staatsidee akzeptieren, dulden konnte oder
vollkommen ablehnte, dazu siehe u.a. B#lint Varga, TheMonumental Nation.MagyarNa-
tionalismandSymbolicPolitics inFin-de-siHcleHungary,NewYork2016.
PéterTechet296
Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Titel
- Österreich-Ungarns imperiale Herausforderungen
- Untertitel
- Nationalismen und Rivalitäten im Habsburgerreich um 1900
- Autoren
- Wolfram Dornik
- Bernhard Bachinger
- Stephan Lehnstaedt
- Verlag
- V&R unipress GmbH
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1060-3
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 362
- Schlagwörter
- KUK, K.U.K, Habsburg, Monarchie, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Geschichte Vor 1918