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160 7 Sport in den Medien
aus. Denn nicht nur der Sport, seine Aktiven und AnhängerInnen, sondern
auch die Vereine und ihre FunktionärInnen fanden –mehr als heute – ihren
fixenPlatz inderMedienberichterstattung. SobildetenZeitungsartikelwieRa-
dioreportagenwesentlicheOrte,andenenimKontextderWerteundderEmoti-
onen des Sports jüdische Differenz konstruiert und ausverhandelt, mitunter
offendiskutiert,weitöfterabernurverklausuliertoderauchgeradenichtange-
sprochen wurde, wobei Text und Fotografie, Karikatur und Ton oft unter-
schiedlicheBotschaften einander kontrastiertenundaufdieseWeise einkom-
plexesGesamtbild entwarfen.3
Geradedort,woderSport, indemerzumMassenphänomenwurde, zuneh-
mendeigenständigeNormensystemeetablierte, liefendie sportlichenMedien-
diskurse durchaus nicht immer parallel mit jenen auf anderen gesellschaftli-
chenEbenen.Wurde jüdisches Selbstbewusstsein imSport offensiv zur Schau
gestellt und durch Erfolge untermauert, konnten dieMedien dies ebenso be-
wundernd unterstützen wie kritisch unterlaufen; wurde das Jüdischsein auf
demTerrain des Sports verborgen, konnten dieMedien dies akzeptieren und
mittragen oder auchnachhaltig aufdecken. Zumeist geschah inunterschiedli-
chenMedienbeidesgleichzeitig.DieSportberichterstattungerwies sich indie-
semSinnalswesentlicheReflexionsebene fürdenSportundseine (jüdischen)
Funktionärsfiguren. Sie konnten odermussten anhandderMediendenErfolg
und dieWirkung ihrer Selbstpräsentation überprüfen und habenwohl nicht
zuletzt danach ihr künftigesVerhalten, ihrweiteresHandeln ausgerichtet. Zu-
gleich hat aber eine große Gruppe aus unserem Sample der jüdischen Sport-
funktionäre die Sportberichterstattungmaßgeblichmitgestaltet, sei es alsHe-
rausgeber oder als Sportjournalisten in den Sportzeitungen und in der
Tagespresseder Zwischenkriegszeit.
SportpresseundSportberichterstattung
1918–1938
Viktor Silberers Allgemeine Sport-Zeitung erschien erstmals im Sommer 1880
(und in der Folge bis 1927). Die Zeitung stellte einenMeilenstein nicht nur in
der Sportberichterstattung, sondern für das gesamte Sportgeschehen inÖster-
reichdar.Währenddie Illustrirte [sic!]Sport-Zeitung, erschienen 1878bis 1879,
und ihr Nachfolgeorgan, die 1888 bis 1918 erschienene Zeitschrift Sport und
3 Matthias Marschik, „Muskel-Juden“. Mediale Repräsentationen des jüdischen Sports in
Wien. In:Schulze-Marmeling (Hg.),Davidstern, 263–276.
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Titel
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Untertitel
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Autoren
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 376
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918