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Nach 1918
Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
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„Jüdische“ Sportpresse? 167 Nicht einmal eineWoche nach dem „Anschluss“ war der Sportjournalis- mus, mit Ausnahme einiger Autoren, die sich in einer Grauzone behaupten oder, wie ErwinMüller, unter Pseudonymbeschränkt weiter tätig sein konn- ten,20 „judenrein“ gemacht worden. ZumGutteil war dies auf äußerenDruck geschehen,zumkleinenTeilauchinvorauseilendemGehorsam,wennetwaim Sport-Tagblattam15.MainichtnurAdolfHitler zum„Befreier unseres Sports“ stilisiert, sondernauch formuliertwurde: „DeutscheSportlerhabendasRecht, zu fordern, daß nur deutsche Volksgenossen über ihre Leistungen und über den nationalsozialistischen Sport schreiben. Wir haben die Konsequenz aus dieser unsrer Ueberzeugung gezogen und teilenmit, daß von heute an kein Jude in der Redaktion des ‚Sport-Tagblattes‘ tätig ist.“21 Ähnliche Botschaften verkündeten fast alle Zeitungen,wennauchmitunter dezenter: So schriebder Fußball-Sonntag: „Die aus der geändertenSachlage sich ergebendenVerände- rungenderRedaktionwurdenbereits durchgeführt.“22 Die Erörterung von Fragen der jüdischen Publizistik und des jüdischen Sportjournalismus in der Ersten Republik darf diesesWissen um die Entlas- sung,Verhaftung,VertreibungundErmordung etlicher jüdischer Sportjourna- listen, verknüpft mit Befunden über die Veränderung der Sportberichterstat- tung nach dem „Anschluss“ und dem Hinweis auf markante Defizite des Sportjournalismus inÖsterreichnach 1945, insbesondere die nur rudimentäre Wiederbelebungdes „jüdischenSportfeuilleton[s]“, nicht ausblenden. Aber auch der Begriff der „jüdischen Sportpresse“ oder des „jüdischen Sportjournalismus“ kann unterschiedlich verstandenwerden. In einem enge- renSinn sinddamit alleDruckwerke gemeint, die sich ausdezidiert jüdischer Perspektivemit Sport auseinandersetzen. Darunter fallen einerseits die Publi- kationen jüdischer Sportvereineund -verbände, also vor allemdieMediender Hakoah, etwadie von 1925bis 1934herausgegebeneZeitschriftHakoah.Offizi- ellesOrgandes SportklubsHakoahoder die zwischen 1932und 1938publizier- ten Nachrichten des Schwimmclub Hakoah (ab Nr. 285: Nachrichtenblatt des SchwimmclubHakoah). Andererseits zählt die Sportberichterstattung jüdischer und vor allemzio- nistischer Medien dazu. Tatsächlich erwiesen sich die diversen zionistischen Wiener Zeitungen und Zeitschriften als mehrheitlich sportaffin, brachten Be- richte über Sportereignisse, vor allem über solche, an denen jüdische Klubs beteiligtwaren. Sie reflektiertenaber auchgenerell über dieRolle undBedeu- 20 Elisabeth Lebensaft,Müller, Erwin; Ps.Norbert Nindl (1879–1950), Journalist. In: Österrei- chischesBiographischesLexikon 1815–1950,Band6, 30. Lieferung (Wien 1975) 412. 21 Sport-Tagblatt (15. 5.​ 1938) 1. 22 Fußball-Sonntag (20.3.​ 1938) 2.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Titel
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Untertitel
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Autoren
Bernhard Hachleitner
Matthias Marschik
Georg Spitaler
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-055331-4
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
376
Kategorien
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