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172 7 Sport in den Medien
abhängigvomkonkretenAnlass–auchdieengenVerbindungenundwechsel-
seitigen Abhängigkeiten zwischen Vereinen und Medien: Auf unangenehme
Zeitungsartikel reagierenVereinebisweilenmitVerweigerungvonkostenlosen
Pressekartenoder sogarPlatzverboten für bestimmte Journalisten.
Die Problematik der (Un-)Vereinbarkeit wurde offenbar auch im Fußball-
verbanddiskutiert.RichardSoukup, Journalistdes IllustriertenSportblattsund
Herausgeber des nicht selten antisemitisch argumentierenden Satireblatts
Sport-Papagei,nutztedas zueinerPolemikgegenHugoMeisl:
„Ich lesedieBerichteüberdieSitzungendesVerbandesprinzipiellnur sehr flüchtig.Und
dochglaube ichmicherinnernzukönnen,daßeinmalbeschlossenwurde,daßSportjour-
nalisten imVerband keine Funktion haben dürfen oder besser gesagt, daß Funktionäre
desVerbandessichnicht journalistischbetätigendürfen.Nunweiß ichausbesterQuelle,
daß Herr Hugo Meisl, wenn ich nicht irre, Verbandskapitän und somit Funktionär des
Verbandes ist, demRedaktionsstabdes ‚NeuenWiener Journals‘ angehört. Vielleicht fin-
det jemand den Mut, die Angelegenheit in einer der nächsten Verbandssitzungen zur
Sprache zubringen ...“38
Dass derartige Fragenbreit thematisiertwurden, zeigt, dass dieVereinsaktivi-
täten etlicher Sportjournalisten keineswegs die einzige Verbindung zwischen
diesen beiden Feldernwaren. Die Führung der Verbände undVereinewar in
der Zwischenkriegszeit in weit größerem Ausmaß als heute auch Inhalt von
Medienberichten zumThemaSport. Das begann schon damit, dass die Sport-
blätter, aberauchmancheTageszeitungen regelmäßigüberdieVorstandswah-
lendergroßenVereine, besondersderFußballklubs, berichtetenundauchdie
Listender gewähltenMitglieder publizierten, sodassdieÖffentlichkeit gut da-
rüber informiertseinkonnte,werbeidenSpitzenklubs imVorstandsaß.Mitun-
terwurdeaberauch, speziellwennesKontroversengab,überdiedenWahlen
vorausgehenden Diskussionen und verschiedenen Standpunkte geschrieben.
Nichtnur imSport-TagblattgehörtenBerichtevonGeneralversammlungenzum
jährlich wiederholten inhaltlichen Repertoire. Auch in anderen Zeitungen
konntemannichtseltenBerichteüberVereinsinternaoderübereinzelneFunk-
tionsträger lesen.
Insofern verwundert es nicht, dass auch die Rollen und Aufgaben der
Funktionäre generell immer wieder thematisiert wurden. Wurde gerade bei
kleineren Sportklubs ein stärkeres Engagement des Vorstandes eingefordert,
der fürdasWohlundWehe seinesKlubsverantwortlich zeichnete, veränderte
sichdie Einstellung vieler Journalistenbezüglichder professionellen Fußball-
klubsspeziell inderMitteder 1920er-Jahregravierend:Hierwurdevielfachein
38 Illustriertes Sportblatt (28.3. 1925) 8.
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Titel
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Untertitel
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Autoren
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 376
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918