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174 7 Sport in den Medien
sohießes im Juli 1928,habe sich„mit ihremallenForderungendes jüdischen
NationalgedankensHohn sprechendenVerhalten […] ins Schlepptau vonVer-
dienern nehmen“ lassen. Mehr noch: Die „Geschäftsmacher“ hätten im Klub
„Oberwasserbekommenundessieht soaus,alsobmandortwiederdarangin-
ge, abermals durchNeubelebungdesProfessionalismusder jüdischen Jugend
einenWeg körperlicher Erziehung zu zeigen, der gegen dieMoral und gegen
das Judentumgeht“.40
So erweisen sich Printmedien letztlich als eine ergiebige Quelle für jüdi-
sche Identität imAllgemeinenund jüdische Sportfunktionäre imBesonderen.
Wurde zum einen den Funktionären ein hohes Maß an Einflussnahme und
großeEntscheidungskompetenzhinsichtlichderGeschickeeinesVereinesoder
Verbandes zugeschrieben,wurde daher zumanderen über die Ebene der Lei-
tung undVerwaltung häufig und regelmäßig geschrieben. Gerade bei führen-
denFunktionärenvonpopulärenVereinenoderVerbändenwurdenderenZiele
und Pläne problematisiert, aber auch ihr ziviles, außersportliches Leben zu-
mindest ansatzweise erwähnt.
Stellt dieMedienberichterstattung also zumeinen Ego-Dokumente bereit,
die vor allemAufschlüsse über die Selbstpositionierung jüdischer Akteure im
Wien der Zwischenkriegszeit liefern, präsentiert sie andererseits eine externe
Sicht, dochnicht nur jeneder nichtjüdischenBevölkerung, sondernauchden
internen Blickwinkel von Juden auf andere Juden. Undwenn es darumgeht,
die komplexen Produktionsprozesse „jüdischer Identität“ zu rekonstruieren,
sindMedienberichte eineunverzichtbareQuelle, sowohlquantitativwiequali-
tativ.
CaseStudy:WienerSport imFeuilleton.
Emil Reichüber Funktionäreund„jüdische“
Körperkultur
DerEssayist undSportkommentator EmilReich stehtbeispielhaft fürmoderne
essayistische Auseinandersetzungen mit dem Thema Sport.41 In den 1920er-
in ernste finanzielle Turbulenzen, vgl.Werner Skrentny, Hakoahs Exodus. Importe in die US-
Profiligen. In:Schulze-Marmeling (Hg.),Davidstern, 433–458.
40 DieNeueWelt 42 (6.7. 1928) 17.
41 FürwichtigeHinweiseundHilfestellungendankenwirAlfredPfoser.
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Titel
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Untertitel
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Autoren
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 376
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918