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182 7 Sport in den Medien
Werk“, das „ausgezeichnete sachlich, aber durchaus nicht trocken gehaltene
BeiträgedererstenFachleuteenthält“, fändesicheineVielzahlvonHinweisen
zur Bewältigung der „olympischen Krise“.68 Aber auchwenn es darum ging,
einen„goodsportsman“zudefinieren, griffReichaufWillyMeisl alsExperten
zurück.69 Die BrüderMeisl wurden für Reich nahezu zuGradmessern sportli-
chenundmenschlichenErfolges.
Resümee
Emil Reich legte in seinen etwa 350 Fußballartikeln ein enormes Fachwissen
an den Tag. Seine detaillierte Kenntnis vonGagen, TransfersummenundAb-
schlagszahlungen, aber auch von Spieler- und Funktionärsbiografien findet
man selbst in den Sportzeitungen sonst kaum. Zugleich verstand er es immer
wieder,denSportund insbesonderedenFußball einwenigausderAußenper-
spektive zu betrachten und in größere Kontexte zu stellen. Auf der anderen
SeitewarereinJournalist,dernurallzugernpolemisierte,anprangerte,mitun-
ter lobte undmeistens tadelte. Konsistenz der Aussagenund ein langfristiges
Festhalten an einmal geäußerten Standpunktenwar seine Sache nicht, wenn
sich ebendie Zu-undUmständegeändert hatten.
IndiesemSinn istEmilReich, trotzalleranalytischenBlickeaufdasSport-
und Fußballgeschehen, eine gewisse Volksnähe, eine populäre Sichtweise
nicht ganz abzusprechen. Reich brachte zu Papier, wenn ihn ein Sachverhalt
ärgerte, er konnte seinen grundsätzlich liberalen Ansatz schon einmal außer
Acht lassen,wenner ihmauseinermomentanenKonstellationnichtmehrpas-
send erschien. So gesehen waren seine Aussagen nicht jene eines über den
DingenstehendenAnalytikers, sondernkönnenalsAusdruckzeitgenössischer
Standpunkte aufgefasst werden. Objektivität ist, wie bei jedem Essayisten,
nicht die oberste Priorität der Artikel von Emil Reich gewesen. Er versuchte
Stimmungeneinzufangenundzukontextualisieren.DieExistenz jüdischerDif-
ferenz als eine von ihm offenbar wahrgenommene, vorhandene Kategorisie-
rung leugnete er dabei keineswegs. Sehr wohl versuchte er aber ihre gesell-
schaftliche Relevanz in Abrede zu stellen: „Huber oder Kohn“ sei kein
Kriteriumaufgeklärter Sportberichterstattung.
68 EmilReich, DieKommerzialisierungdesSports. In:NeuesWiener Journal (16. 12. 1928) 19.
69 EmilReich,Wer ist einSportsmann? In:NeuesWiener Journal (10.6. 1928) 22.
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Titel
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Untertitel
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Autoren
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 376
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918