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184 8 Konflikte
dassetwadieösterreichischenGerichtssälederZwischenkriegszeit eineBühne
bildeten, auf der „performances of Jewish difference served both to reinforce
andredefine itsboundaries“.3 ImfolgendenKapitelwerdenwireinigeBeispiele
dafür anführen. IndiesemSinngeht esumdieFrage, ob inkonflikthaftenDis-
kursenein–wieauch immerdefiniertes–„Jüdischsein“vondenAkteurInnen
als distinktivesMerkmal eingesetztwurdeundFragenvon jüdischerDifferenz
dieAchsen,Auslöser oderAnlässe vonKonfliktenbildeten.
Profifußball:Massensport oder elf bezahlte
Gladiatoren?
EinewesentlicheKonfliktlinie imösterreichischenSport verliefbis zumFebru-
ar 1934 zwischen den VertreterInnen des bürgerlichen, nach Selbstdefinition
„unpolitischen“SportsundjenendessozialdemokratischenArbeiterInnensports.
Schonabdenbeginnenden 1920er-Jahrenexistierte indenmeistenSportarten
kein gemeinsamer Sportbetriebmehr.4 Im Fußball entzündete sich die Frage
primäranderBezahlungderSpieler.MitderEinführungdesoffenenProfessio-
nalismus im Jahr 1924 bahnte sich auch hier eine Trennung an, obgleich der
sozialdemokratische SportverbandVAS und der bürgerliche „Schutzverband“
noch bis 1926 unter dem gemeinsamenDach des ÖFB koexistierten.5 Die Be-
deutsamkeit der Frage des Verbandes beruhte darauf, dass derWettkampfbe-
trieb mit wenigen Ausnahmen – etwa dem Profiboxen – in monopolisierten
nationalen und internationalen Verbänden organisiert war. Diese Strukturen
hatten sich zuBeginnderModerneausgebildet,6 stießenaber vor allem inder
österreichisch-ungarischen Monarchie wegen der Widersprüche zwischen
StaatundNationauf großeProbleme.Nach 1918bekamdieFrageeineandere
3 Lisa Silverman, Becoming Austrians. Jews and Culture between theWorld Wars (Oxford/
NewYork 2012) 31.
4 ReinhardKrammer, Arbeitersport inÖsterreich. EinBeitrag zurGeschichte derArbeiterkul-
tur inÖsterreichbis 1938 (Wien 1981); ReinhardKrammer, Die Turn- undSportbewegung, in:
ErikaWeinzierl,KurtSkalnik (Hg.),Österreich1918–1938.GeschichtederErstenRepublik (Graz/
Wien/Köln 1983) 731–743; MatthiasMarschik, Das kickende Proletariat. Arbeiter und Fußball
imWiender Zwischenkriegszeit. In: SportZeiten 12,H. 3 (2012) 37– 51.
5 MatthiasMarschik, „WirspielennichtzumVergnügen“.Arbeiterfußball inderErstenRepub-
lik (Wien 1994).
6 MatthiasMarschik,ModerneundSport. TransformationenderBewegungskultur, in:Matthi-
asMarschik, RudolfMüllner, OttoPenz, GeorgSpitaler (Hg.), Sport Studies (Wien 2009) 23–34,
hier 26f.
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Titel
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Untertitel
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Autoren
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 376
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918