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schaft“,17doch fußtedieseEinstellung–wie fast immer inderArbeiter-Zeitung
ab 1925–aufder grundsätzlichenKritik amProfessionalismus.
Eine der exponiertesten Figuren imKonflikt zwischen demVASund dem
„bürgerlichen“ Sport in der Phase bis zur Einführung des Professionalismus
warder sozialdemokratische (jüdische)PräsidentdesWienerFußballverbands
Siegfried SamuelDeutsch. So führte der Journalist undSport-Club-Funktionär
WillySchmieger 18 im IllustriertenSportblattzwischen1923und1925eineregel-
rechteKampagnegegen ihn.Deutsch sei keinüberdenDingenstehenderVer-
bandsführer, sonderneineinseitigerParteisoldat,derständigdiePolitik inden
Sport trage,19was imWiderspruchzum„unpolitischen“Anspruchdesbürgerli-
chenSports stehe.WeitgehendausgespartbliebenHinweiseaufDeutschs jüdi-
schenHintergrund.PersönlicheAngriffe fokussiertenauf eineangeblichüber-
triebeneManierdesGebrauchesvonFremdwörternundaufseineFloridsdorfer
Herkunft. „Er ist gewiß sehr fleißig undmehrere Stunden jedenTages imVer-
bandslokal tätig [...]. Seine lächerlicheSucht,Fremdwörter zugebrauchen,der
aufdringlichePflanzmitdemersichimVerbandsheimumgibt [...]alldasverei-
nigt sich zu einemGesamtbilde, mit dem unser Verband gewiß keinen Staat
machen kann.“20 Sollte der Vorstadt-Bezug seine Provinzialität hervorheben,
verweisteinzigderVorwurfderFremdwörter-Verwendungaufeinantijüdisches
Stereotyp, das sprachliche Eloquenzmit Täuschungsabsichten gleichsetzte.21
Die falscheVerwendungvonFremdwörterndiskreditiertdenneureichenParve-
nü.EineklareZeichnungals Jude findet sich jedochallenfalls indenKarikatu-
rendesBlattes.22Dennochkanndavonausgegangenwerden,dassFußballinte-
ressiertewussten, dassDeutsch Judewar.
Konflikte vorGericht
Konflikte werden dann besonders augenscheinlich, wenn sie letztlich imGe-
richtssaalenden, imSportkontextmeist inFormvonEhrenbeleidigungsklagen.
17 Arbeiter-Zeitung (2. 7. 1926) 7.
18 ZuSchmieger vgl. BernhardHachleitner, Der RadiostarWilhelm„Willy“ Schmieger (1887–
1950). In:MatthiasMarschik, RudolfMüllner, „Sind’s froh, dassSie zuHausegeblieben sind.“
MediatisierungdesSports inÖsterreich (Göttingen 2010) 158–168.
19 „Der Friedensengel“, Illustriertes Sportblatt (20. 10. 1923) 13.
20 Illustriertes Sportblatt (28.4. 1924) 4.
21 ArndtKremer, Deutsche Juden–deutsche Sprache. Jüdischeund judenfeindliche Sprach-
konzepteund -konflikte 1893–1933 (Berlin 2007).
22 MatthiasMarschik, „Muskel-Juden“. Mediale Repräsentationen des jüdischen Sports in
Wien. In:Schulze-Marmeling (Hg.),Davidstern, 263–276.
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Titel
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Untertitel
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Autoren
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 376
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918