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Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
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Case Study: Wie Julius Deutsch vor Gericht seine Ehre verlor 191 sozialdemokratische Politiker JuliusDeutsch im Jahr davor veröffentlicht hat- te.35 In dem Buch hatte Deutsch seine militär- und staatspolitische Rolle im letzten Jahr derMonarchie 1918, als k.u.k.Offizier und sozialpolitischerRefe- rentundGewerkschaftsvertreter imKriegsministerium,sowie inder jungenRe- publik, als Staatssekretär für Heerwesen, dargestellt.36 Reinl sprach von „Schuftereien“Deutschsundwarf ihmvor, durchdenAufbaueiner geheimen Vertrauensmännerorganisation in der k.u.k. Armee den Treueeid andenKai- ser gebrochen zu haben. Zufällig saß der beschimpfte Politiker in Begleitung vondreiFreundinnenaneinemderNebentische.Bei einervon ihnenhandelte essichumdieWienerGemeinderatsabgeordnete–undspätereASKÖ-Funktio- närin – Marie Kramer, Deutschs zukünftige Lebensgefährtin. Deutsch stellte denWidersacher zur Redeund entschloss sich, nachdemdieser im folgenden Streitgesprächden„Schuft“ bekräftigte, zu einer Ehrenbeleidigungsklage. Julius Deutsch ist in der österreichischenÖffentlichkeit vor allem als Ob- manndesRepublikanischenSchutzbundes (ab 1923)unddurchseineRolle im Februar 1934 in Erinnerung geblieben. Der Nationalratsabgeordnete und ehe- malige Staatssekretärwar in den Jahren bis zumBürgerkrieg aber auch einer der führendenArbeitersportfunktionäre. Anfang 1924 sollte er zumVorsitzen- den der Zentralstelle der Arbeiter-Turnvereine Österreichs gewählt werden,37 1926 übernahm er als Schutzbundobmann auch den Vorsitz des ASKÖ,38 im Jahr daraufwurde er zu einemder beidenPräsidentender SozialistischenAr- beiter-Sportinternationale (SASI) gewählt.39 Deutsch spielte durch seine theo- 35 Dr. JuliusDeutschStaatssekretära.D.,AusÖsterreichsRevolution.MilitärpolitischeErinne- rungen (Wieno.J. [1921]). 36 Das folgendeKapitel ist eine gekürzte undüberarbeitete Fassung vonGeorg Spitaler, The LostHonor of JuliusDeutsch. JewishDifference, „Socialist Betrayal“, and Imperial Loyalty in the 1923Deutsch-Reinl Trial, in: Religions 8,H. 1 (2017) doi:10.3390/rel8010013. Zur Biografie von Julius Deutsch (1884–1968) vgl. u.a. ManfredMarschalek, Der Fall Julius Deutsch. Ein sozialdemokratischerGenerationenkonflikt imSchattendesKaltenKrieges. In:WolfgangMa- derthaner (Hg.), Auf demWeg zur Macht. Integration in den Staat, Sozialpartnerschaft und Regierungspartei (Wien1992) 11–49;MichaelaMaier,GeorgSpitaler, JuliusDeutsch.„Das inne- re Kriegserleben“ eines Sozialdemokraten. In: MichaelaMaier, Georg Spitaler (Hg.), Julius Deutsch, Kriegserlebnisse eines Friedliebenden. Aufzeichnungen aus dem Ersten Weltkrieg (Wien 2016) 9–36. Im Hinblick auf sein Verhältnis zum Judentum vgl. Anton Pelinka, Main- streaming der jüdischen Identität? In: Das jüdische Echo 57 (2008/2009) 119–123; vgl. Sema Colpan, BernhardHachleitner, MatthiasMarschik, Jewish Difference in the Context of Class, Profession and Urban Topography. Studies of Jewish Sport Officials in Interwar Vienna. In: AustrianStudies 24 (2016) 140–155. 37 Krammer, Arbeitersport, 90. 38 Krammer, Arbeitersport, 122. 39 HerbertDierker,Arbeitersport imSpannungsfeldderZwanziger Jahre.SportpolitikundAll- tagserfahrungenauf internationaler, deutscherundBerliner Ebene (Essen 1990) 45.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Titel
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Untertitel
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Autoren
Bernhard Hachleitner
Matthias Marschik
Georg Spitaler
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-055331-4
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
376
Kategorien
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