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Nach 1918
Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
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196 8 Konflikte ErwinWaihs.60 In seiner Funktionals Staatssekretär fürHeerwesenerreichten ihnzur selbenZeit Eingabendesnationaljüdischen JournalistenundAbgeord- netenRobertStricker, indenendieserumUnterstützung für jüdischeAnliegen warb. So sagteDeutsch imMärz 1920 sein Entgegenkommenbei der Freigabe von Gründen für den auf Platzsuche befindlichen SC Hakoah zu.61 In dem Schriftverkehr finden sich bezeichnende Details: Vermutlich war es Deutsch, der einige Passagen in Strickers Schreiben durchstrich, u.a. den Satz, die Hakoahbilde„denSammelpunktaller jüdischenSportleute“, ebensodieAus- sage „[b]ei der bekannten Bedeutung,welche die Körperpflege für die Juden besitzt, erscheint es dringend geboten, demVerein die Erfüllung seiner Auf- gabezuermöglichen“.62Sowohlder zionistischeVertretungsanspruchderHa- koah als auch die Bezugnahme auf Fragen körperlicher Reinheit, die sowohl auf dasKonzept des „Muskeljudentums“ als auch auf dieAbwehr antisemiti- scher Stereotypendes „schmutzigen Juden“ verweisen,widersprachen offen- barDeutschs Selbstsicht als deutschösterreichischemSozialdemokraten. Die politische Hauptkonfliktlinie lag für Sozialdemokraten wie Deutsch nicht inderFragedesAntisemitismus,sondern imAntagonismusmitdembür- gerlichenGegner. Typisch ist etwaDeutschsEinschätzungdesDeutschenund OesterreichischenAlpenvereins, dessenösterreichischeSektionenab 1919 fast durchgängigdenArierparagrafeneingeführthatten.63DiealpinistischeOrgani- sation, soDeutsch, sei „zu einemSammelbecken aller reaktionären, denAuf- stieg der Arbeiterklassemit giftigemHaß verfolgenden Elemente geworden“. „Unter demVorwand, die Juden von sich fernhalten zuwollen“, habe der Al- penverein tatsächlich„dieArbeiterausdenvon ihmbetriebenenSchutzhütten hinausgeworfen“.64 Ähnlich hatte es Deutsch auch in anderen Aufsätzen for- muliertund„dieengstirnige,gehässigeHaltung“kritisiert,diederAlpenverein „gegendieAnhänger einer anderenWeltauffassungeinnimmt“.65 60 Brief andasLinzer Tagblatt, 22.4.​ 1920,VGA,Parteiarchiv vor 1934,Mappe 116/4. 61 VGA, Parteiarchiv vor 1934, Mappe 107, Robert Stricker an Staatssekretär Dr. Julius Deutsch,5. 3.​ 1920,undAntwortanRobertStricker,8. 3.​ 1920.Die imBesitzdesDonauregulie- rungsfondsstehendenParzellendesspäterenHakoah-PlatzeswarenzuvorvoneinerArtillerie- fahrschulebzw.demStaatsamt fürHeerwesengenütztworden, vgl. SusanneHeleneBetz,Von derPlatzeröffnungbis zumPlatzverlust.DieGeschichtederHakoahWienund ihrerSportanla- ge inderKrieau1919–1945. In:Betz,Löscher,Schölnberger (Hg.), „…mehralseinSportverein“, 150–184, hier 153. 62 VGA, Parteiarchiv vor 1934, Mappe 107, Robert Stricker an Staatssekretär Dr. Julius Deutsch, 5. 3.​ 1920. 63 Vgl. dazuKapitel 2. 64 Deutsch, Unter rotenFahnen, 15.Hervorh. d.Verf. 65 JuliusDeutsch,Eine InternationaledesArbeitersports. In:Arbeiter-Zeitung (23.8.​ 1927) 2.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Titel
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Untertitel
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Autoren
Bernhard Hachleitner
Matthias Marschik
Georg Spitaler
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-055331-4
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
376
Kategorien
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