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Nach 1918
Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Seite - 197 -
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Case Study: Wie Julius Deutsch vor Gericht seine Ehre verlor 197 Nichtdie Juden, sonderndieSozialdemokratenseienalsodasprimäreZiel derAusschlusspraktikender radikalendeutschnationalenAlpinistengewesen. TatsächlichhattederHauptausschussdesAlpenvereins 1923die sog. „Hütten- begünstigung“ fürMitgliederder sozialdemokratischenNaturfreundeaufgeho- ben und den Sektionen empfohlen, diesen die Aufnahme zu verweigern.66 Deutschs auf den ersten Blick dennoch abwegige Behauptungwird nachvoll- ziehbarer,wennmanbedenkt, dass er als „Touristiker“wohl auch selbst zum Opfer dieser Exklusionsprinzipienwurde. Vielleichtwaren sie für ihn leichter zubegegnen,wennerdieDefinitionsmachtbewahrte, als Sozialdemokratund nicht als „Jude“ausdenHüttendesAlpenvereins verdrängtworden zu sein. ImZeugenstandderGreinerVerhandlungwurdeDeutsch vomRichter ge- nötigt, Antwort auf die Frage seiner behaupteten jüdischen Abstammung zu geben.SeineAussagevorGericht fielwie seineEinschätzungzumAlpenverein überraschend aus: „Das sei bei ihm schwer festzustellen“, wurdeDeutsch zi- tiert, „denn seine Familie sei viele Geschlechter hindurch imBurgenland ansässig; ein Zweig dieser Familie sei jüdisch, der andere nicht. Er sei darnachwahrscheinlichHalbjude. Im übrigenherrsche in der Familie die Tradition, daß ihreAhnen zur Zeit der Protestanten- verfolgungenden jüdischenGlauben angenommenhaben, somit der Abstammungnach die ganzeFamilie arisch sei.“67 Die gegnerische Presse stürzte sich genüsslich auf Deutschs Aussage, für sie blieb er Jude.68 In seinerRedevorGerichthatte sichDeutschaufhistorischeFreiheitsfigu- renwieWilhelmTelloderdieAnführerderBauernkriegeberufen.Dergegneri- scheAnwalt sprach ihm jedochdasRecht ab, sichmit diesen volkstümlichen Figuren zu vergleichen. „Ein Mann von derart minderwertigen moralischen Qualifikationen, dernochdazu seinerAbstammungnachmit demösterreichi- schenVolkenichts zu schaffenhabe, könnennichtAnspruchdarauf erheben, vielleicht alsNationalheldgefeiert zuwerden.Dr.Deutschals österreichischer WilhelmTell sei eineOperettenfigur,welcherderAnspruchderLächerlichkeit nicht versagtwerdenkönne.“69 Es ist kein Zufall, dass dieReichspost in einer Karikatur geradedasBilddes verunglücktenWilhelmTell aufgriff.70 66 MartinAchrainer, NicholasMailänder, DerVerein. In: BergHeil!, 193–318, hier 250–254. 67 (Linzer) Tagblatt (12.6.​ 1923) 8. 68 Reichspost (12.6.​ 1923) 6. 69 Reichspost (11.6.​ 1923) 4. 70 Reichspost (27.6.​ 1923) 7.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Titel
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Untertitel
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Autoren
Bernhard Hachleitner
Matthias Marschik
Georg Spitaler
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-055331-4
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
376
Kategorien
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