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Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
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Case Study: Willy Kurtz und das „verjudete Schiedsgericht“ 203 Kontrolle durchmonopolisierte Verbände. Deshalb – aber auchwegen seiner offensichtlichen Brutalität – war vor allem der professionelle Boxsport stark umstrittenundzeitweiligverboten.Esgab indieserHinsicht inÖsterreichaber keineklaregesetzlicheLinie, sonderndieGenehmigungen(damitauchallfälli- geVerbote) fielen lange indenKompetenzbereichderPolizei, diedamitunter- schiedlichumging–willkürlich,wiemancheKritikermeinten.Vonder„Polizei auf demKriegspfad“ schrieb etwadasSport-Tagblatt.85 EinDiskurs, in demdie Frage von jüdischerDifferenz, imSinne von jüdi- scher Verschwörung, die zentrale Rolle spielte, entwickelte sich um einen BoxkampfvonWillyKurtz.Am2. Juli 1921gewannerdenMeistertitelderAma- teurboxer imSchwergewicht, imFinalebesiegte erdenGrazerAlbinRoß.Des- senVerein, der Sp.C.Herkules, erkanntedie EntscheidungdesKampfgerichts nicht an. Kurtz legte freiwillig den Titel zurück und erklärte sich zu einem neuerlichenKampfbereit, allerdingsnicht sofort,weil er einerseits verletzt sei und andererseits saisonbedingt das Boxtraining zugunsten seiner zweiten Sportart,desSchwimmens, reduzierthabe.DaraufhinverfasstenzweiFunktio- näredesSp.C.Herkules, LudwigHartl undLudwigKossar, einenBrief anden Boxsportverband, in demsie Kurtz einVerhalten „bar jeder Ritterlichkeit und bar jeder Sportlichkeit“86 vorwarfen.Kurtz klagtewegenEhrenbeleidung,und so landetedieAngelegenheitbeimBezirksgericht Josefstadt.DasSport-Tagblatt schriebüberdenProzess: „DerangeklagteRudolfHartlhattevorGerichtangegeben,daßerdeninkriminiertenBrief verfaßt […] habe. Weil Kurtz Jude ist, erklärte Hartl, und das Schiedsgericht beim Ent- scheidungskampfe stark verjudet war und deshalb den im Kampfe unterlegenen Kurtz den Sieg zuerkannt hatte, wurde diese Entscheidung vom Grazer Sp.C.Herkules nicht anerkannt; Kurtz legtedannauchdenMeistertitel zurück.“87 Hartl erklärte vor Gericht weiters, der von ihm in demBrief verwendete Aus- druck „auskneifen“ sei ein „sportlicher Ausdruck“ und „enthalte keine Belei- digung.“ Das Gericht folgte dieser Argumentation nicht und verurteilte die beiden Angeklagten zu einer Geldstrafe von je 5.000 Kronen.88 In mehreren Tageszeitungen erschienen fast gleichlautende Berichte, was den Prozess be- trifft.89 Das Sport-Tagblatt ergänzte sie allerdings durch eine Wertung von HartlsAussage: 85 Sport-Tagblatt (6. 2.​ 1924) 2. 86 Sport-Tagblatt (18. 1.​ 1922) 5. 87 Sport-Tagblatt (18. 1.​ 1922) 5. 88 Sport-Tagblatt (18. 1.​ 1922) 5. 89 SieheetwaNeueFreiePresse (18. 1.​ 1922)9;Arbeiter-Zeitung (18. 1.​ 1922)9;PragerTagblatt (19. 1.​ 1922) 6.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Titel
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Untertitel
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Autoren
Bernhard Hachleitner
Matthias Marschik
Georg Spitaler
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-055331-4
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
376
Kategorien
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