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Sportfunktionäre und jüdische Differenz - Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
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208 8 Konflikte Medien. So schrieben die deutschnationalenWiener Neuesten Nachrichten: „Schuldwar diesmal das vollkommenundisziplinierte Verhalten derHakoah- spieler, die auch, nachdemsie sich dadurch insUnrecht gesetzt hatten, noch immer an ihrem Anhang Rückhalt fanden.“111 Als sich dann der Hakoah- Spieler Halpern verletzte, „setzte der Terror des Publikums ein, wobei die Hauptradaumacher unter den Tribünenbesuchern zu finden waren“.112 Die christlichsozialeReichspost formulierte: „HerrWagner leitete den Kampf ein- wandfrei, dochdasTribünenpublikum,das fast vollzähligdenHakoahanhang repräsentierte, setztemitTerror ein,der sichauchaufdieSpielerübertrug.“113 Die zionistische Presse hingegen sah die Hakoah als Opfer: Ihre Spieler seien massiven antisemitischen Anfeindungen durch das gegnerische Publi- kum ausgesetzt gewesen. „Die Sektionsleitung“ unter Präsident I. H. Körner ließverlautbaren,dasssichdieHakoah-Spieler„unterdengegebenenUmstän- den weigern, Meisterschaftsspiele zu bestreiten. Maßgebend für diesen Ent- schlußwar in erster Linie das Verhalten des Publikums, in dembeimbloßen Erscheinen derHakoahner auf demSpielfelde die rohesten Instinkte geweckt werden.“114 Angesichts des aufgeheizten politischen Klimas, der starken antisemiti- schen Agitation und zahlreicher antisemitischer Aktionen verwundert es we- nig, dass der Vereinsvorstand und die zionistischen Zeitungen alle gegen die Hakoahund ihre Spieler gerichtetenAktivitäten als antisemitisch interpretier- ten. ZueinemTeilwohl,weil siedas tatsächlichwaren, zueinemanderen,um damit für denZionismus zuwerben–als einziger Schutz gegendenallgegen- wärtigenAntisemitismus.AuchdieSozialdemokratenbrachtendasSpielexpli- zit inVerbindungmitdenpolitischenAuseinandersetzungendesWahlkampfs. So hieß esmit Bezug auf die Sportclub-Anhänger, diese seien „die ‚schlagen- den‘ Lercherln vonHernals,waschechteHakenkreuzler, die es–wie’sHaken- kreuzler immerpflegen–nachhernatürlichnicht gewesen seinwollen“.115 In der Diskussion nach dem Spiel kam in mehrfacher Hinsicht jüdische Differenz ins Spiel; von antisemitischer Seite einerseits wie von der Hakoah, zionistischen Zeitungen und der Sozialdemokratie andererseits. Es gibt aber auch Äußerungen, die versuchten, den Marker des Jüdischen und den Ein- bruch der Politik in den „unpolitischen“ Fußball zumVerschwinden zu brin- 111WienerneuesteNachrichten (5. 11.​ 1923) 7. 112WienerneuesteNachrichten (5. 11.​ 1923) 7. 113 Reichspost (5. 11.​ 1923) 6. 114WienerMorgenzeitung (9. 11.​ 1923) 9. 115 Arbeiter-Zeitung(16. 12.​ 1923) 13.Vgl.GeorgSpitaler,WarderWienerSport-Clubantisemi- tisch? In: ballesterer 100 (April 2015) 26–28.
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Sportfunktionäre und jüdische Differenz Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Titel
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Untertitel
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
Autoren
Bernhard Hachleitner
Matthias Marschik
Georg Spitaler
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-055331-4
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
376
Kategorien
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