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212 8 Konflikte
balldämmerung“klar: „Die tätliche InsultierungdesPräsidentenDr.Körnerder
Hakoah(Wien)durcheinenW.A.F.-Spieler imApril 1923 istoffenbarausantise-
mitischenMotivenerfolgt.“129AnderenBerichtenzufolgewarnicht einmaldie
Täterschaft Achatzis gesichert. Erwurde jedenfalls für sechsMonate gesperrt,
obwohl er von Körner nicht eindeutig identifiziert wurde. Das Sport-Tagblatt
sprach daraufhin von einem „Kampf gegen denW.A.F.“, allerdings nicht nur
wegen der Strafen in Zusammenhangmit demHakoah-Spiel, sondern vor al-
lemmit einer strittigen Annullierung eines Ergebnisses, von der indirekt der
FAC profitierte.130 Der Konflikt verlief hier wohl nicht –wie sich retrospektiv
leichtvermuten ließe–zwischenderHakoahunddemW.A.F.,derdamalsvom
späterenÖFB-PräsidentenRichardEberstallervertretenwurde,sondernesging
in erster Linie umdenKonflikt sozialdemokratischer VAS versus bürgerlicher
Schutzverband. „Voraussichtlich erleben wir also wieder das beschämende
Schauspiel, daß die Juden des Schutzverbandes versuchten antisemitischen
TerroraktenVorspanndienste zu leisten.“131
FritzBaar,derBruderdesHakoah-Sektionsleiters,erkannteschonfrühdas
Problem, dass Ausschreitungen bei Hakoah-Spielen den Juden und Jüdinnen
inWien insgesamt schadenkönnten:
„BöswilligeodergedankenloseMenschenstellen fest,daßbei zweiWettspielen,dienicht
gentlemanlike verliefen, die Hakoah beteiligt war. Die wirkungsvolle Propaganda der
Hetzantisemiten hat selbst ruhige und vorurteilsfreie Menschen aus demGleichgewicht
gebracht und so ist esnicht zu verwundern, daßesnur einesAnlassesbedarf, damit die
jüdischenMannschaftenals Sündenböckebehandeltwerden.“132
AntisemitischeStereotype: Tribünenpublikum,Stadtpelze,
Automobile
Wennes umZuschauerausschreitungen geht, ist einerseits zu fragen,wer die
Definitions- und Handlungsmacht besitzt oder sich zuschreibt, zum anderen
danach,wemdie „Schuld“ zugeschriebenwurde. Das können etwa abstrakte
Strukturen (die „Verrohung“ der Gesellschaft nach demWeltkrieg) oder kon-
krete sportliche, politischeoder ökonomische Interessen sein. Kurzfristigwur-
129 ErnstVogel, Fußballdämmerung (Wien 1923) 93.
130 Sport-Tagblatt (18.8. 1923) 5. In diesem Artikel, der sich auf eine Vorstandssitzung des
Wiener Fußball-Verbandes bezieht, ging es auch noch um ein strittiges Spiel Wacker gegen
WAF.
131WienerMorgenzeitung (27.4. 1923) 9.
132WienerMorgenzeitung (26.4. 1923) 3.
Sportfunktionäre und jüdische Differenz
Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Titel
- Sportfunktionäre und jüdische Differenz
- Untertitel
- Zwischen Anerkennung und Antisemitismus – Wien 1918 bis 1938
- Autoren
- Bernhard Hachleitner
- Matthias Marschik
- Georg Spitaler
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Ort
- Berlin
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-055331-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 376
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918